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Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin
September 2004
Salutogenese - wie entsteht Gesundheit?
Teil II
In der letzten Ausgabe von MarktRegional brachten wir den ersten Teil unserer Einführung in das Konzept der Gesundheitsförderung, speziell der Salutogenese.



Aaron Antonovsky beobachtete bei Patienten, die immer wieder einen Weg fanden zurechtzukommen und gesund zu bleiben drei wesentliche Gemeinsamkeiten. Sie besaßen
- die Fähigkeit, Zusammenhänge des Lebens zu verstehen
- die Überzeugung, das eigene Leben gestalten zu können
- den Glauben, dass das Leben bzw. das, was sie taten, einen Sinn habe.
Personen mit diesen Eigenschaften können auch sehr schwierige Lebenssituationen meistern.
Daraus folgt, dass die persönliche Einstellung zu einer Krankheit ganz wesentlich dazu beiträgt, wie ein Patient sie bewältigen kann. Ein Patient kann seine Krankheit als Destruktion auffassen, dann führt sie oft zu einem Rollenverlust, sozialer Isolation und Abhängigkeit. Der Arzt wird als derjenige gesehen, der die Aufgabe hat, die Gesundheit wieder herzustellen, den Patienten gewissermaßen zu "reparieren".
Im Gegensatz dazu, kann der Patient seine Krankheit aber auch als Aufgabe und Lernsituation erleben. Dies führt zu einer aktiven Auseinandersetzung mit sich und der Krankheit und einer aktiven Teilnahme am Behandlungsprozess. Das Erleben von Krankheit als Ruhepause und Chance für den Ausstieg aus belastenden Situationen, eröffnet sogar neue Möglichkeiten persönliche Reifung durch Krankheit zu erfahren.

Gesundheitsförderung versucht dem Menschen Zugang zu verschaffen, zu seinen eigenen Fähigkeiten das Leben zu meistern. Wenn man das Leben mit einem Fluss vergleicht, der manchmal starke reißende Stromschnellen hat, an denen man sich verletzen kann, dann hat sich unser derzeitiges Medizinsystem auf die Rolle des Rettungsschwimmers spezialisiert. Der Mensch, der sich an den Stromschnellen des Lebens verletzt und erkrankt, wird aus dem Wasser gezogen und so rasch wie möglich behandelt. Leider wird er nur allzu oft wieder an der gleichen Stelle zurück ins Wasser geschickt.
Die Gesundheitsförderung möchte das bestehende System um die Schwimmlehrer erweitern, die die Fähigkeit des unbeschadeten Durchschwimmens der Stromschnellen vermitteln sollen.
Diese Fähigkeit zu schwimmen, lässt sich nicht auf Wissen über Krankheitsrisiken reduzieren. Sie gründet sich auf Zugang zu einem Kompetenznetz von Wissen, in dem im respektvollen Umgang miteinander auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen eingegangen werden kann. Als Schwimmlehrer können sich hier alle miteinbringen, die Erfahrungen mit ihren ganz persönlichen Stromschnellen haben. Der Arzt ist hier in vielen Fällen gar nicht der Lehrer sondern vielmehr der Koordinator. Die Grundlage gesundheitsfördernden ärztlichen Handelns mit dem Patienten ist es, gemeinsam herauszufinden, welche Potenziale und Ressourcen bisher ungenutzt im Patienten schlummern, um mit seiner Krankheit besser umgehen zu können. Das bedeutet, dass der Arzt nicht mehr so wie oft vom Patienten gefürchtet, alles verbietet was Spaß macht. Es bedeutet, dass der Arzt vielmehr mit dem Patienten erarbeitet, durch welche Maßnahmen Krankheit nicht allein als Verlust und Qual empfunden werden.
Die Krankheits- / Gesundheitsgeschichte von Frau M., die wir Ihnen in der letzten Ausgabe von MarktRegional vorgestellt haben ist dafür ein gutes Beispiel. Sie ist trotz einer schweren insulinpflichtigen Diabeteserkrankung mit ihrem Leben sehr zufrieden und empfindet ihre Erkrankung nicht mehr als große Belastung, sondern als täglich zu bewältigende Herausforderung, die sie im Verbund mit der Familie zu meistern versteht.
Sehen Sie sich am besten in Ihrer eigenen Familie oder im Freundeskreis nach Schwimmlehrern um und überlegen Sie sich wie Sie deren und Ihre eigenen Ressourcen nutzen könnten, wenn Sie das nächste Mal krank sind. Oder fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker mit dem großen Netz - die fischen Sie nicht einfach nur raus sondern erzählen Ihnen auch wie's danach weitergeht.
Dr. med. Jörg Pinnow
Ärztehaus Kleinmachnow, Förster-Funke-Allee 104, Tel. 033203/86575







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Archiv-Bezeichnung (intern): 2004-09-SalutogeneseII




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