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Juni 2004
Einführung in die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Akupunktur

Liebe Leserinnen und Leser,

in der letzten Ausgabe von Markt Regional haben wir Sie eingeladen, mit uns eine Reise durch unterschiedliche Gebiete und Themen der Medizin zu unternehmen.

Heute möchten wir Ihnen nun einen kurzen Einblick in das Konzept der Traditionellen Chinesischen Medizin geben, welches die Grundlage für die Akupunktur bildet.

Die TCM greift auf einen über Jahrtausende in China gewachsenen Schatz medizinischer Erfahrungen zurück. Sie ist ein Teil der zwei großen Richtungen der Chinesischen Philosophie, des Taoismus und des Konfuzianismus. Beide definieren den Zustand von Gesundheit und Glück als den Zustand in dem Mensch und Natur harmonisch in Einklang miteinander stehen. Diese Harmonie erhält man durch eine ausgeglichene Lebensweise. Krankheitszustände werden entsprechend als Disharmonien definiert. Ziel einer Therapie in der TCM ist die Wiederherstellung der verlorenen Harmonie.

Die Grundlage der Harmonie ist das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang. Das Konzept von Yin und Yang entspringt der taoistischen Naturphilosophie und besagt, dass sich alle Dinge zwei grundsätzlichen Aspekten zuordnen lassen. Yin und Yang sind einerseits als Gegensätze zu betrachten, andererseits ergänzen sie sich auch und sind voneinander abhängig. "Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten". Mittags, wenn die Sonne am höchsten steht, dann nennen das die Chinesen das höchste Yang, es ist aber auch gleichzeitig der Punkt an dem das Yin wieder beginnt zuzunehmen, um bis Mitternacht immer stärker zu werden. Daher hat die Monade, das Zeichen für Yin und Yang, dort wo das helle Yang am stärksten ist einen dunklen Punkt in der Mitte und dort wo das dunkle Yin am stärksten ist, einen hellen Punkt in der Mitte.

Das wichtigste Konzept hinsichtlich der Funktionen des Körpers in der TCM ist das des Qi. Es lässt sich am ehesten als Lebensenergie oder funktionelle Kraft übersetzen. Wenn Yin und Yang im Körper ausgeglichen sind, ermöglicht das einen ungestörten Fluss des Qi. Gerät das Qi jedoch durch eine Disharmonie von Yin und Yang ins Stocken, kommt es zu einer Vielzahl von Symptomen im Körper, insbesondere zu Schmerzen.

Wie sehr dieses Konzept der TCM Teil einer Naturphilosophie ist, lässt sich gut am Beispiel des chronischen Rückenschmerzes erklären. Aus Sicht der TCM entsteht er durch eine Stagnation von Qi. Diese Stagnation kann Folge von Kälte und Nässe sein, die auf den Lendenwirbelsäulenbereich einwirkt. In der Natur sorgt die Kälte dafür, dass alle Vorgänge des Lebens verlangsamt werden, manche Tiere machen während der kalten Jahreszeit einen Winterschlaf, und Wasser erstarrt zu Eis, wenn es kalt genug ist. Dementsprechend ist der schmerzhafte, unbewegliche Rücken in der TCM gewissermaßen eingefroren und starr, ein warmer Rücken dagegen schmerzfrei und beweglich. Also versucht der in TCM geschulte Arzt, durch seine Therapie das Qi wieder zum fließen zu bringen, und den Rücken gewissermaßen "aufzutauen". Viele Patienten mit chronischen Rückenschmerzen wissen wie gut ihnen Wärme tut, und legen sich eine Wärmflasche auf den Rücken um Ihre Schmerzen zu lindern. Der TCM-Arzt wird in so einem Fall versuchen, das Qi wieder in Bewegung zu bringen und das Yang, das für die Wärme im Körper steht zu stärken.

Wie behandelt der TCM-Arzt?

Ein wichtiges Instrument zur Behandlung steht ihm mit den Akupunkturnadeln zu Verfügung. Dabei handelt es sich um kleine, elastische Nadeln, die sogeformt sind dass sie leicht durch die Haut gehen und sich zwischen die Muskelfasern schieben, praktisch ohne selbst Schmerzen oder Verletzungen zu verursachen. Mit den Nadeln bewirkt der Arzt gemäß dem Konzept der Chinesischen Medizin, dass das Qi wieder besser fließen kann. Dies lindert die Schmerzen und bewirkt eine größere Harmonie von Yin und Yang. Vor der Behandlung erhebt der Arzt seine Befunde und ordnet die Krankheitszeichen bestimmten, definierten Disharmoniemustern zu, die alle wieder auf Yin und Yang beruhen. Dann bittet er den Patienten, sich auf eine Liege zu legen und setzt die Akupunkturnadeln. Die Verweildauer beträgt im Schnitt ca. 20 Minuten. Je nach Bedarf werden die Nadeln während der Behandlung noch einige Male manipuliert, um die Wirkung zu erhöhen. Typischerweise werden 10 Behandlungen, jeweils mit zwei bis drei Tagen Abstand durchgeführt.
Aufgrund des großen Erfolges der Akupunktur werden die Behandlungskosten für Kopf- und Rückenschmerzen derzeit für einen begrenzten Zeitraum von den Krankenkassen übernommen, sofern der Arzt dafür zertifiziert ist.
Fragen Sie Ihren Hausarzt beim nächsten Besuch einfach einmal danach.

Ihr Praxisteam für Gesundheit
Jörg-Peter Pinnow







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Archiv-Bezeichnung (intern): 2004-06-TCM




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