Stahnsdorf   Teltow   Kleinmachnow  
Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin
September 2005
Für praxisnahe Information und Abbau von Schwellenängsten
2. Konferenz "Region macht Schule"
Alle neunten und zehnten Schulklassen aus der Region - mit Ausnahme der Gymnasien - hätten die Gelegenheit genutzt, sich durch den Besuch der Bildungsmesse auf dem Gelände des Ausbildungsverbundes Teltow e.V. am 8. September über die Möglichkeiten der beruflichen Bildung zu informieren, wurde bei der im Anschluss stattfindenden Konferenz "Region macht Schule" mitgeteilt.
Die Notwendigkeit solcher Informationsveranstaltungen verdeutlichte AVT-Geschäftsführer Karl-Heinz Ganzleben. Bei den Jugendlichen existierten oft ungenaue Vorstellungen über die zu erlernenden Berufe. So gehörten z.B. zu den Aufgaben des Kochs nicht nur das Zubereiten leckerer Speisen, sondern auch zur Hälfte die notwendigen Vorbereitungen und das Wegräumen der Kochutensilien. Auch bezüglich der metallverarbeitenden Berufe fehlten elementare Vorkenntnisse. Manche Schulabgänger könnten eine Feile nicht von einem Meißel unterscheiden. Als Grundlage für die Entwicklung der Jugendlichen nannte Ganzleben das Elternhaus. Die Schule sei zwar ebenfalls sehr wichtig, könne jedoch kein Reparaturbetrieb sein.
Um den Jugendlichen eine bessere Orientierung zu ermöglichen, habe Ministerpräsident Matthias Platzeck bei seinem Besuch auf der Jahreshauptversammlung der IHK Potsdam angeregt, jährlich einen Tag der offenen Tür bei den in Brandenburg ansässigen Unternehmen einzurichten. Die Dringlichkeit einer Verbesserung dieser Situation unterstrich Ganzleben mit dem Hinweis auf eine Studie, der zufolge in zehn Jahren landesweit 20 000 Fachkräfte fehlen würden.
Das dritte Ausbildungsjahr als Schüler im kooperativen Modell beim AVT absolviert Sven Richter. Der angehende Veranstaltungskaufmann und seine Mitstreiter hatten bereits zum Gelingen der ersten Konferenz "Region macht Schule" am 30. Mai beigetragen. Eine Auswertung der Feedback- Bögen habe ergeben, so Richter, dass die große Mehrheit mit der Veranstaltung sehr zufrieden gewesen wäre und sich für eine Fortsetzung ausgesprochen habe.
Etwa ein Viertel der Teilnehmer bemängelte jedoch, die Konferenz sei zu kurz gewesen und so sei nicht jeder zu Worte gekommen. Für einen praxisnahen Unterricht hätten sich 89 Prozent ausgesprochen.
Der Stahnsdorfer Bürgermeister Gerhard Enser, Mitininiator der Konferenz, setzte sich für eine Partnerschaft von Schule und Betrieb ein. Dazu bedürfe es der Mithilfe der ganzen Region. Auch die Medien müssten mithelfen, die Situation zu verbessern.
Die Leiterin der Lindenhof-Gesamtschule, Christiane Spaltmann forderte, die Betriebe sollten ihre Anforderungen klar definieren. Der Assistent der AVT-Geschäftsleitung, Sascha Kronenberg sagte, man habe sich im Juli an 80 Unternehmen verschiedener Branchen in der Region gewandt. Leider habe es nur einen Rücklauf von 14 Fragebögen gegeben. Das Ergebnis sei somit nicht gerade repräsenativ, erlaube jedoch einige Schlussfolgerungen.
So bildeten zur Zeit 57 Prozent dieser Betriebe aus. Neue Azubis würden nur noch 36 Prozent einstellen. Zur Begründung führten die nicht - oder nicht mehr - ausbildenden Unternehmen eine unzureichende betriebliche Kapazität, das Fehlen geeigneten Ausbildungspersonals, Kostengründe und Zeitmangel an.
Eine optimale Verknüpfung von Schule und Betrieb betrachten zwei Drittel als sehr wichtig. Sehr hoch würden gute Lernergebnisse in den naturwissenschaftlichen Fächern bewertet. Als wichtig betrachte man aber auch ausreichende Grundlagen von Mathe und Deutsch. Für eine Ausbildung in einem Büroberuf seien PC-Vorkenntnisse gefragt. Große Bedeutung werde der Lernbereitschaft, aber auch Eigenschaften wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit beigemessen.
Grundsätzlich gäbe es eine hohe Bereitschaft, das Projekt "Region macht Schule" zu unterstützen. Fast alle Betriebe würden Praktikumsplätz bereitstellen. An einer Mitwirkung im Arbeitskreis seien 34 Prozent interessiert.
Eine nachhaltige Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit Jugendlicher mit schlechten Startchancen soll das von Karin Weinert, Projektleiterin, vorgestellte Projekt "Job Tiger" bewirken. Träger ist der Caritas-Verband für das Erzbistum Berlin.
Ein praxisnahes Bewerbungstraining habe nicht nur den Zweck, bei selbst normalen Verhaltensregeln vorhandene Defizite zu beheben und zu erreichen, dass sich die Jugendlichen besser präsentierten. Man versuche auch, damit die Schwellenangst abzubauen. Denn viele trauten sich nicht zu einem Bewerbungsgespräch. In einem Mobilitätstraining am PC sollen sie üben, Stellenanzeigen zu durchforsten oder sich bei weiter entfernten Ausbildungsorten eine Bleibe zu suchen. Als Nachweis für die erfolgreiche Teilnahme gebe es die Job Tiger Card. In 50 Informationsveranstaltungen habe man bisher 500 Jugendliche erreichen können.
Wolfgang Spieß, der Leiter des Fachbereichs Aus- und Weiterbildung bei der IHK Potsdam, sagte, es gebe ca. 400 Ausbildungsplätze in der Region. Bei der gewerblichen Wirtschaft ändere sich nichts, der Handel biete 13 Lehrstellen weniger, das Hotel- und Gaststättengewerbe 23 mehr an. Es gebe die Möglichkeit, neben dem Schulabgangszeugnis - das man damit keineswegs abwerten wolle - durch einen Test bei der IHK einen zweiten Befähigungsnachweis zu erwerben.
Viele Schulabgänger - so wurde im weiteren Verlauf der Diskussion angeführt - orientierten sich nur an wenigen Traumberufen. Mit der Aufgabe, über die 370 vorhandenen Ausbildungsberufe zu informieren, seien die Lehrer überfordert. Dazu bedürfe es der Beratung durch Mitarbeiter der Betriebe und der Arbeitsagentur. Postive Erfahrungen habe man auch mit dem Einsatz von Auszubildenden im dritten Lehrjahr gemacht. Im Rahmen des Projektes "Azubis für Schüler" könnten die Schüler von fast gleichaltrigen hören, dass sich Leistung lohne.
H. Weiß







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Archiv-Bezeichnung (intern): 2005-09-Konferenz




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