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Mai 2005
Der lange Weg zur Brücke
Stahnsdorf und Kleinmachnow feiern Einweihung der Schleusenbrücke
Am 20. Mai wird die Schleusenbrücke zwischen Kleinmachnow und Stahnsdorf feierlich eröffnet. Es war ein langes Verfahren, bis es endlich zu den ersten Bauarbeiten kam: Lange Zeit hieß es nämlich: Keine neue Brücke ohne Ausbau der Schleuse. Ein Rückblick.

Zurückblicken möchte Stahnsdorfs Bürgermeister Gerhard Enser (CDU) eigentlich nicht mehr. Das Projekt "Schleusenbrücke" "hätte schneller gehen können", sagt er, aber der lange Zeitrahmen erkläre sich aus dem "Junktim" (Verbindung mehrerer Aufträge zur gleichzeitigen Erledigung, Anm. d. Red.) zwischen Brücke und Schleuse. Enser will jetzt lieber in die Zukunft blicken: Die Wiedereröffnung der Schleusenbrücke zwischen Kleinmachnow und Stahnsdorf stelle nun eine "alte Verbindung der Region wieder her" und schaffe eine Anbindung an die Autobahn A115. "Es ist eine wichtige Verbindung für das Wirtschaftswachstum der Region", sagt der Stahnsdorfer Bürgermeister, "die sich auch positiv auf die hiesigen Gewerbegebiete auswirken wird, sowohl für das schon ansässige Gewerbe als auch für potentielle Investoren". Allerdings dürfe die Brücke jetzt "nicht alleine stehen", meint Enser, der Ausbau der Landesstraßen L40 und L77 muss hinzu kommen, um den Verkehr in den Ortszentren der Region zu entlasten.



Die "Landesstraße 77 neu" ist als Nord-Südverbindung zwischen dem Verkehrsknoten "Stahnsdorfer Hof" und dem Gutskomplex "Markgrafshof", der an der Landesstraße 40 (L40) liegt, geplant. Die L40 soll als vierspurige Trasse die Landeshauptstadt Potsdam mit dem neuen Großflughafen Schönefeld verbinden, dadurch kann die "alte Protokollstrecke", die durch Stahnsdorf, Teltow und Mahlow führt, entlastet werden. Gemeinsam mit dem Ausbau des Teltower "Spangensystems" würde der Verkehr über die Rammrathbrücke, den Thomas-Müntzer- und den Zehlendorfer Damm von und nach Berlin - an den jetzigen Stauzentren in Stahnsdorf und Teltow - vorbei laufen. Die Schleusenbrücke wäre dann, mit der Anbindung der L77 an den Stahnsdorfer Hof, eine schnelle Anbindung an die A115.
Der Neubau der Schleusenbrücke wurde aus zwei Gründen notwendig: Im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit liegen mit dem "Projekt 17" (VDE 17) seit 1990 Pläne der Bundesregierung und der EU vor, die Wasserstraße auf der Strecke Wolfsburg-Magdeburg-Berlin auf 280 Kilometer für großmotorige Güterschiffe auszubauen. Ohne Angabe einer zu erwartenden Frequentierung des Teltowkanals, drängte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) darauf, die Kleinmachnower Schleuse auszubauen. In diesem Zusammenhang stellte das Wasserstraßen-Neubauamt (WNA) für die fast 100jährige Schleusenbrücke fest: "Weder die lichte Durchfahrtshöhe, noch die lichte Durchfahrtsbreite der alten Brücke reichen für den geplanten Neubau... der Schleuse aus".
Der zweite "Anstoß" zum Neubau ist fast sprichwörtlich zu nehmen: Im Jahr 1992 wurde die Fußgängerbrücke durch einen Schiffsstoß beschädigt und musste gesperrt werden. Da sich die gesamte Brücke ohnehin in einem schlechten Gesamtzustand befand, begrenzte man 1993 die zulässige Verkehrslast auf 2,8 Tonnen, 1994 war die Brücke dann für den PKW-Verkehr gesperrt und konnte nur noch als Fußgängerbrücke genutzt werden.
Zum ersten Mal geriet die Rekonstruktion der Brücke in Gefahr als im November 2000 Sachgebietsleiter Porsch vom WNA im Kleinmachnower Umweltausschuss darauf hinwies, dass der Ausbau der Schleusenkammer auf eine Länge von 190 Meter mit massiven Eingriffen in die Uferlandschaft verbunden sei. Umweltverbände und Bürgerinitiativen sahen darin beträchtliche Eingriffe in die Naturlandschaft, von denen Areale bereits als so genannte FFH-Gebiete (europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, Anm. der Red.) bereits nach Brüssel gemeldet waren. Im Zusammenhang mit der weiterhin unklaren Frage der zu erwartenden Frequentierung des ausgebauten Kanals und eines nicht festgelegten Zielhafens, stellte sich die Frage: Was passiert, wenn Kanal und Schleuse nicht ausgebaut werden? Demzufolge erklärten die Kleinmachnower Sozialdemokraten im Januar 2001, dass die Öffnung der Schleusenbrücke zurückzustellen sei, bis die neue L40, die rekonstruierte Wupperbrücke und die fertig gestellte Bundesstraße 101 realisiert seien.
Stahnsdorfs Bürgermeister Enser forderte noch im selben Monat die Auflösung des Junktims und konnte seinen Kollegen aus Kleinmachnow, Wolfgang Blasig (SPD) dafür gewinnen. Mit dem Beschluss des Gemeindeparlaments, und dem Plangenehmigungsverfahren für den Neubau der Brücke war der "Verwaltungsauftrag zum Agieren" erteilt worden. Überparteilich und mit der Unterstützung von Teltow und Güterfelde ging ein einheitlicher Ruf aus der Region an die Regierungen von Landkreis, Land und Bund. Die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost (WSD) reagierte im Juli 2001 mit einer Absage: Der Neubau der Schleusenbrücke werde weiterhin an das VDE-Projekt 17 geknüpft. In der Region befürchtete man eine "Blockade-Situation", weil mit einer Fertigstellung des Projektes Nummer 17 erst weit nach 2010 zu rechnen sei. Im Mai 2002 bahnte sich zusätzlicher Ärger an: Zwei Anwohner der Stolper-Weg-Siedlung reichten eine Klage ein, da für den geplanten Neubau der Schleusenbrücke die Lärmschutzmaßnahmen nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Allerdings gab es die Siedlung noch gar nicht, als 1992 das Plangenehmigungsverfahren betrieben wurde. Die WSD zeigte Handlungsbereitschaft und übergab ein Schallgutachten, in dem nachgewiesen wurde, dass die Lärmschutzgrenzwerte beim zu erwartenden Verkehr nicht überschritten werden. Mit dem Beginn der Bauarbeiten wurde eine Schallschutzmauer vor dem Wohngebiet errichtet. Im November 2002 wurde die Klage gegen das Bauvorhaben am Bundesverwaltungsgericht für "erledigt" erklärt" und der Weg für die neue Schleusenbrücke war frei.
Man kann es fast als Ironie der Schleusengeschichte bezeichnen, dass der Bund nun andere Prioritäten zu setzen scheint und das WNA zum geplanten Schleusenausbau im April 2005 meinte: das ist zur Zeit kein Thema". Die Brücke ist jedenfalls fertig und das sollte am 20. Mai auch freudig gefeiert werden.
Karsten Sawalski







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Archiv-Bezeichnung (intern): 2005-05-bruecke




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