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Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin
März 2005
Debatte über die "Mutter aller preußischen Bahnen"

Knappe Kassen und lärmbedrohte Anwohner erschweren die Wiederherstellung der Stammbahn

Zu dem nach wie vor aktuellen Thema waren am 8. Februar etwa hundert Interessierte der Einladung des CDU-Ortsverbandes ins Sportforum Kleinmachnow gefolgt. Nur von der Deutschen Bahn erschien trotz ursprünglicher Zusage kein Vertreter.
Alexander Kaczmarek, verkehrspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, verwies zunächst auf historische Zusammenhänge. Die Stammbahn, die "Mutter aller preußischen Bahnen", war 1838 als kürzeste Verbindung zwischen Potsdam und Berlin errichtet worden. Nur die Bayern waren mit ihrer Strecke Nürnberg-Fürth noch etwas schneller. Durch Krieg und Teilung verblieb nur noch die Ende 1978 eingestellte Stummel-S-Bahn bis Düppel.

CDU-Ortsvorsitzende Maximilian Tauscher (links) und Ludwig Burkard, ebenfalls CDU Kleinmachnow

Die Wiederherstellung der Regionalbahnstrecke würde 200 Millionen Euro kosten. Problempunkte seien die vier niveaugleichen Bahnübergänge auf Berliner Gebiet. Auf Brandenburger Seite erfordere die Überquerung der Autobahn eine vier Meter hohe Anrampung. Für den gesonderten Anschluss zum Nord-Süd-Tunnel hatte der Bund 50 Millionen DM bereitgestellt, die die Bahn zurückzahlen müsste, sollte die Stammbahn bis 2006 nicht fahren. Ein eingleisiger Ausbau wäre zwar billiger, jedoch solle man es gleich richtig machen. Die Stammbahn könne Kleinmachnow nur peripher erschließen. Um die Regionalbahn nicht an jeder Milchkanne halten zu lassen, seien als Haltepunkte der Europark und Düppel vorgesehen. Jedoch nicht Zehlendorf-Süd. Die Installation einer Oberleitung bedürfe eines Planfeststellungsverfahrens. Eine Erneuerung der S-Bahn bis Düppel wäre als Wiederinbetriebnahme genehmigungsfrei. Die vor dem Krieg geplante Verlängerung der U2 von Krumme Lanke bis zur Machnower Schleuse - die Ideallösung für die Erschließung des Ortes - sei nicht zu finanzieren. Man könne aber auch die S-Bahn von Düppel aus auf der U-Bahn-Trasse bis in die Ortsmitte weiterführen. Oder auf der alten Strecke der Friedhofsbahn bis nach Stahnsdorf, um den Europark mit einzubeziehen. Zwar entfalle die Verbindung nach Potsdam; die meisten wollten ohnehin nach Berlin. Um auch den nördlichen Teil der Friedhofsbahn bis nach Wannsee wiederherzustellen, müsste nicht nur der Teltowkanal, sondern auch die Strecke am Bahnhof Wannsee überbrückt werden. Und das rechne sich nicht - wie auch der einst geplante Ringschluss. "Das sind Märchen und andere nette Geschichten, die man sich abends am Kaminfeuer erzählen kann." Der Kleinmachnower CDU-Ortsvorsitzende Maximilian Tauscher gab zu bedenken, dass sich die Einwohnerzahl nach dem Krieg beträchtlich erhöht habe. Ein zukunftsfähiges Konzept bedürfe der effektivsten Lösung. Notwendig seien die Einbeziehung des Europarks und die Ergänzung durch eine Citybuslinie. Ein "Stammbahnanwohner und natürlich auch -gegner" führte die Beeinträchtigung der Lebensqualität der Anwohner durch Zuglärm und Schallschutzwände an. Für einen wirtschaftlichen Betrieb sei das Fahrgastaufkommen unzureichend.
Für Jens Klocksin, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Brandenburgischen Landtag, ist der Lärmschutz immer ein ernstzunehmendes Argument. Beim öffentlichen Nahverkehr sei der Vorkriegsstand noch nicht wieder erreicht. Die Erneuerung der Stammbahn wäre ein Stückchen Rekonstruktion deutscher Einheit. Er freue sich, dass auch zur DDR-Zeit die vorhandenen Trassen nicht überbaut wurden. Ludwig Burkard, der Vorsitzende der CDU-FDP-Fraktion im Kleinmachnower Gemeindeparlament sagte: "Wenn ich höre, die Stammbahn dient nur den Pendlern, sträuben sich mir die Nackenhaare!" Man solle vielmehr froh sein, dass es noch Pendler gebe.
Auch Zehlendorf werde von der Stammbahn tangential berührt, meinte Dr. Johannes Schaefer, Pressebeauftragter der Bürgerininitiative. Ein beachtliches Fahrgastaufkommen sei durch die ehemalige Siedlung der US-Armee zu erwarten. Als weitere Argumente wurde die Gefährdung der Kinder durch den Autoverkehr, der Umweltaspekt, die eingesparte Fahrzeit und das Entstehen von Arbeitsplätzen vorgebracht. Die Streichung der Buslinie, die den Ort direkt mit Potsdam verband, beträfe auch Jugendliche, die dort zur Schule gingen.
Um einer Konkurrenzsituation zur Teilstrecke über Wannsee vorzubeugen, könne man den Takt aufspalten. Man solle nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern auch das Gemeinwohl sehen. Klocksin verwies auf die Verankerung der Daseinsvorsorge im Grundgesetz. Kaczmarek ergänzte, man könne bei öffentlichen Verkehrsmitteln nicht nur betriebswirtschaftlich rechnen. Bis auf zwei Ausnahmen habe die Deutsche Bahn keine kostendeckende Strecke. Vielmehr würden die Länder dafür zahlen.
Text/Foto: H. Weiß







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