| Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin |
Dezember 2004
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Niemand hat die Absicht, ein Spaßbad zu erbauen
Wer betreibt das Freibad Kiebitzberge in Zukunft? Die Zukunft des Kleinmachnower Freibades bleibt weiterhin ungewiss. Auch wenn die tatkräftigen Arme des "Vereins zur Förderung und zum Erhalt des Freibades Kiebitzberge e.V." mit der finanziellen Unterstützung des jetzigen Betreibers, der GeWoG Kleinmachnow mbH, die notwendigsten Sanierungsmaßnahmen in Angriff nehmen, um die Eröffnung der Badesaison 2005 zu sichern, stellt sich darüber hinaus die Frage: Wer wird das Bad in Zukunft betreiben?
Die unterschiedlichsten Betreibermodelle bestimmen derzeit die Diskussionen in der Öffentlichkeit, den Ausschüssen und bei allen interessierten Bürgern. Kann Kleinmachnow die Nachbarkommunen Teltow und Stahnsdorf für das Vorhaben gewinnen, eine gemeinsame Trägergesellschaft zu gründen? Ist es dem derzeitigen Pächter des Sportforums, Matthias Paul, zuzutrauen, das Bad in eigener Regie zu führen? Oder ist es möglich, dass ein privater Investor, wie die Hamburger "Sportlife" -Gruppe, das Bad privatwirtschaftlich aber im kommunalen Interesse betreibt? Letzteres kann sich der Kleinmachnower Bürgermeister durchaus vorstellen. Mit dem Geschäftsführer der Sportlife -Betriebsgesellschaft, Harald Claussen, führten Wolfgang Blasig und die Vorsitzenden der Gemeindeparlamentsfraktionen ein erstes Gespräch. Dieses Treffen sorgte für Verdruss beim Förderverein, weil der nicht dazu eingeladen war. Es wäre bei solchen Erstgesprächen üblich, dass nur die Gemeindevertreter als Entscheidungsträger dabei sein dürften, erklärt Blasig, der sich ansonsten noch bedeckt darüber hält, für welches Konzept er sich entscheiden will. Der Bürgermeister hat von der Gemeindevertretung die Aufgabe bekommen, bis Anfang 2005 einen Maßnahmeplan für die langfristige Sicherung des Freibades vorzulegen. Bäder sind Zuschussgeschäfte. Das ist mittlerweile allgemein bekannt. Das massenhafte Verschwinden kommunaler Freibäder spricht für sich: Während die Becken unterm freien Himmel nur saisonal Geld einbringen, verursachen Personal und Technik das ganze Jahr über Kosten. Bäder zu erneuern, liege momentan überhaupt nicht im Trend, sagt Blasig, die öffentliche Hand zieht sich aus solchen Einrichtungen zunehmend zurück. Etwa 600 000 Euro Fördermittel würden dem gesamten Land Brandenburg für 2005 zur Verfügung stehen, so Blasig, "da werden die Verteilungskämpfe immer härter". Also prüft der Kleinmachnower Bürgermeister derzeit Betreibermodelle für das Freibad, die "ohne Zuschüsse" funktionieren könnten und er fragt sich, "ob es irgendwo Synergieeffekte gibt, die man nutzen könnte". Die Verbindung Freibad und Sportforum ist da nahe liegend: Während das Bad etwa nur 25 Tage im Jahr Zulauf bekommt, könnten ein Sportforum auch im Winter Besucher anlocken - wenn es ein entsprechendes Angebot gibt. Wolfgang Blasig ist der Meinung, dass ein Investor Freibad und Sportforum auch im kommunalen Interesse betreiben könnte, mit Eintrittspreisen auf einem günstigen Niveau und vor allem ohne finanzielle Zuschüsse der Kommune. Den Ängsten, die in einigen Fraktionen, bei Bürgern und im Förderverein vorhanden sind, entgegnet Blasig: "Niemand will dort ein Spaßbad errichten!" Insofern beunruhigt den Bürgermeister auch das geplante "Schwimm- und Gesundheitscenter" im nahen Ludwigsfelde nicht: "In Kleinmachnow wird es ein modernes Freibad geben!" Von der Errichtung von Spaßbädern, würde er jedem Bürgermeister-Kollegen momentan abraten, sagt Blasig. Der Bürgermeister stellt sich ein modernisiertes Bad vor, dass mit einer Überdachung oder einer Thermalanlage auch bei kühleren Temperaturen Schwimmer anlockt. Er ist davon überzeugt, dass ein privater Betreiber dabei mitspielt. "Ein Investor braucht die kommunale Unterstützung, wenn er das Sportforum baulich erweitern möchte", beschreibt Blasig die Verhandlungsbasis der Gemeinde, "wir wollen günstige Eintrittspreise - daraus gilt es ein Konzept zu machen". Insofern sieht Blasig sich nicht im Dissenz zu den Zielen des Fördervereins. Die Vorwürfe, der Bürgermeister habe sich nicht intensiv mit dem Thema "Freibad Kiebitzberge" auseinander gesetzt und dieses zeitlich "schleifen" lassen,weist er von sich: "30 Jahre lang wurde das Bad vernachlässigt, man kann jetzt nicht auf Schlag eine Entscheidung herbeiführen, sondern braucht erstmal eine solide Grundlage, Damit die Zukunft des Bades auch auf lange Sicht gesichert ist". Zurzeit sei die Entscheidungsfindung noch "ein Spiel der Möglichkeiten", so Blasig, aber es sei schon mal sicher, dass das Freibad zur Sommersaison 2005 öffnet. Das Engagement des Fördervereins, beispielsweise die Aktion die marode Beckenumrandung zu erneuern, weiß der Bürgermeister zu schätzen. Auch der Verein zeigt sich kooperativ. Klaus Wandrei, Vorsitzender des Fördervereins, favorisiert zwar weiterhin das "kommunale Konzept", würde sich aber "gesprächsbereit" erklären, "wenn ein privater Investor auf uns zukommt". In den Fraktionen bleiben die Meinungen gespalten. Der Hamburger Investor "Sportlife" habe ein "gutes Konzept vorgelegt" , sagt Victoria Brammer von der Fraktion Pro Kleinmachnow, "dass der Gemeinde sehr entgegen kommt". Es müsse aber gesichert sein, dass es für die Kleinmachnower auch "sozialverträglich ist". "Private machen Vieles besser und kostengünstiger als die öffentliche Hand", sagt Norbert Gutheinz, Ortsvorsitzender der FDP Kleinmachnow. Während Wolfgang Kreemke, Fraktionschef der PDS Kleinmachnow sich strikt "gegen eine Privatisierung" ausspricht. "Es gibt im ganz Deutschland viele Bäder, denen es wesentlich schlechter geht als uns - Kleinmachnow kann sich ein Bad erlauben", so Kreemke. Auch John Banhart, Fraktion UBK/WIR will keine Privatisierung. Er ist skeptisch: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Privater das Bad so übernimmt, das wäre kein Gewinnbringer". Banhart tritt für die Erhaltung des Bades, ohne verändernde Bebauung des Freibadgeländes ein. "Eine Trägergesellschaft aus Kleinmachnow, Teltow, Stahnsdorf, wäre vorstellbar", so der Gemeindevertreter. Und was meint der jetzige Betreiber des Freibades, die GeWoG? "Wir würden es weiter machen", so Prokurist Carsten Fischer, "aber es gehört eigentlich nicht zu unserem Kerngeschäft". Und wie geht es weiter? "Jetzt muss man abwarten, wie Bürgermeister, Gemeindevertretung und Verwaltung entscheiden, in welche Richtung es gehen soll", so Fischer. KARSTEN SAWALSKI zurück zur Übersicht zurück zur STARTSEITE Archiv-Bezeichnung (intern): 2004-12-keinSpassbad |
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