| Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin |
Oktober 2004
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Monologe über den Sendemast
Informationsveranstaltung bei O2 brachte keine Einigung Mehr als 60 Millionen Handynutzer soll es, laut "Informationszentrum Mobilfunk", mittlerweile in Deutschland geben. Das Informationszentrum ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, der von den Mobilfunknetzbetreibern gegründet wurde und Informationen über Forschungen zum Thema "Mobilfunk und Gesundheit" herausgibt. In den Broschüren des Vereins wird die Forschung zur Wirkung elektromagnetischer Felder als "ein recht klares Bild" dargestellt: Im Niederfrequenzbereich könnten diese Felder "beim Überschreiten bestimmter Schwellenwerte Reizerscheinungen an Nerven- und Muskelzellen hervorrufen. Im Hochfrequenzbereich steht die thermische Wirkung dieser Felder im Vordergrund". Während die Mobilfunknetzbetreiber auf ihre strikte Einhaltung der Grenzwerte verweisen und Wissenschaftler, die eventuelle Gefährdungen bereits unterhalb dieser Grenzwerte als eine "Minderzahl" einstufen, sehen Bürgerinitiativen das naturgemäß anders.
Das Thema "Mobilfunk und Gesundheit" beschäftigt etliche Kleinmachnower Bürger. Denn im Bannwald steht seit geraumer Zeit ein Sendemast des Mobilfunknetzbetreibers O2 auf dem Gelände der Telekom, der mit der Breitband-Übertragung von UMTS in Betrieb gehen soll. Nach etlichen Querelen um das Aufstellen des Funkmastes, bei dem von der Gemeinde Kleinmachnow und dem Netzbetreiber gleichermaßen die Informationsweitergabe an die Bürger versäumt wurde, fanden sich am 22. September etwa 60 Bürger zu einer Informationsveranstaltung bei O2 in der Teltower Niederlassung ein. Während O2-Stabsleiter Frank Fritzsche an diesem Abend versuchte, "Einsicht für die technische Lösung" bei den Bürgern zu wecken, die meist selbst im Gebiet des Bannwaldes wohnen, wollten diese sich nicht auf Diskussion um Grenzwerte einlassen. Die Objektivität des von O2 eingeladenen Physikers Egon Zemann wurde gleich zu Beginn der Veranstaltung angezweifelt. Den Vertretern der Bürgerinitiative ging es vielmehr darum, dem geteilten Forschungsstand mit "Vorsorge" und deshalb mit "Alternativstandorten" zu begegnen. "Die Wissenschaft ist sich nicht einig und da verlangen Sie, wir sollen noch mal 20 Jahre warten, bis man weiß wie es wirkt?", äußerte sich ein Bürger bei den emotional sehr aufgewühlten Diskussionen. Die Alternativvorschläge aus den Reihen der Bürger, den einen Sendemast innerhalb der Gemeinde durch drei außerhalb stehende zu ersetzen, wurde vom O2-Stabsleiter verworfen. Der verwies auf das Ziel des Netzbetreibers, die O2-Kunden "bis in die Häuser hinein" versorgen zu wollen. "Das ist nicht möglich", so Fritzsche zu den Alternativvorschlägen, "es bringt keine optimale Versorgung". Insofern musste die Debatte in dem bisher gelaufenen baurechtlichen Verfahren stecken bleiben. Unverständlich erschien es den Bürgern, warum die Siedlungen am Bannwald als so genannter "Außenbereich" gelten sollen, wo doch eine Bebauung von zwei Seiten offensichtlich vorhanden ist. Die Ausführungen der jungen Rechtsanwältin, die ebenfalls von O2 eingeladen war, sorgte da für noch mehr Verwirrung. "Weil es als nicht im Zusammenhang bebaut gilt", erklärte Barbara Neidel, vom Fachbereich Bauen und Wohnen der Gemeinde Kleinmachnow, auf eine spätere Nachfrage von marktregional. Ansonsten hielten sich die Kleinmachnower Verwaltungsangestellten zum Thema "Sendemast" eher bedeckt: Ein Gerichtsurteil zur Klage eines Bürgers durfte für diesen Text nicht zitiert werden und zur Definition von "Abstandsflächen" gab es von der Abteilung Liegenschaften "keine Auskunft". Dass die Bürger sich weder von der Gemeinde noch vom Mobilfunknetzbetreiber ausreichend informiert fühlten, war auch häufiger Gegenstand der Informationsveranstaltung. "Das Thema ist in Kleinmachnow nicht angekommen", so der Tenor der anwesenden Bürger. "Die Informationsveranstaltung hat nichts gebracht", urteilte denn auch, einige Wochen später, Marion Vogdt, stellvertretende Vorsitzende der FDP - Kleinmachnow und Mitglied der Bürgerinitiative - dabei sei die Veranstaltung erst auf Vorschlagder Bürgerinitiative von O2 organisiert worden. Trotzdem bleibt die Hoffnung der betroffenen Bürger, dass die Inbetriebnahme des umstrittenen Sendemastes noch gestoppt werden könnte: "Das Verfahren unseres Drittwiderspruchs läuft noch und es gibt vergleichbare Fälle, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, bei denen ein Baustopp erreicht wurde", so Vogdt. Nun will die Bürgerinitiative selbst Experten beauftragen, "an verschiedenen Standpunkten in Kleinmachnow Messungen durchzuführen." Auch von der Seite des Mobilfunknetzbetreibers O2 zeigt sich Stabsleiter Fritzsche von der Info-Veranstaltung im September enttäuscht: "Das war ein Monolog". Die angeblich 30 Anwesenden der Bürgerinitiative hätten "keine wissenschaftlichen Erkenntnisse anerkennen" wollen und seien für die gesamte Kleinmachnower Bevölkerung auch "nicht repräsentativ", so Fritzsche. O2 wolle aber einen weiteren Informationsabend, wahrscheinlich in der zweiten Novemberhälfte, veranstalten, an dem die Messergebnisse aus Berlin präsentiert werden und ein medizinischer Wissenschaftler von der Freien Universität Berlin über "elektromagnetische Wellen und biologische Systeme" informieren soll. Für eine solche Diskussion wünscht sich der Stabsleiter vor allem, den Dialog mit den Bürgern. Als Zieltermin für die Inbetriebnahme des Sendemasten durch O2 gibt Fritzsche "Ende November bis Anfang Dezember" an, "das hängt von den Systemlieferanten ab". Ob und wann Vodafone über denselben Mast sendet, kann er nichts sagen. Es bleibt also zunächst bei der Verwirrung um einen Sendemast, der Kommunikation transportieren soll. von Karsten Sawalski zurück zur Übersicht zurück zur STARTSEITE Archiv-Bezeichnung (intern): 2004-10-Sendemast |
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