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Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin
September 2004
"... ab jetzt gibt es Veränderungen"
Teltow will das Projekt Kuppelmayrsche Siedlung nun endlich angehen
VON KARSTEN SAWALSKI

"Es muss jetzt unverzüglich losgehen", mahnt Bäckermeister Gerhard Neuendorff die lang ersehnte Sanierung der Kuppelmayrschen Siedlung an, jede weitere Verzögerung würde die Suche nach potentiellen Investoren nur erschweren. Neuendorff ist einer der "letzten Mohikaner", wie er selbst sagt, der mit seiner Filiale in der fast geschäftsleeren Teltower Altstadt ausharrt. Der kleine Verkaufsladen laufe schon lange "unrentabel, sagt der Bäckermeister, aber die Backstube, in der bereits seit 1618 Brot für Teltow und Umgebung gebacken wurde, will er nicht aufgeben. "Hier darf der Backofen nicht ausgehen", sagt Neuendorff entschlossen, "nicht wegen mir, sondern für die nächste Generation".

Entwürfe zu Sanierung: links: Ansicht vom Alten Markt, rechts: Ansicht Neue Straße


Für das Projekt "Kuppelmayrsche Siedlung" - den Einzug der Stadtverwaltung auf dem Gelände der jetzigen Gebäuderuinen zwischen Markt, Neue- und Ritterstraße - sei es notwendig, "dass es so verwirklicht wird, wie geplant", meint der hartnäckige Anwohner, der danach auf ein "florierendes Leben" in der Altstadt hofft.
Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) hofft ebenfalls, dass nun nichts mehr dazwischen kommt, was den Baubeginn verzögern könnte. Wenn die Archäologen das historische Gelände demnächst noch einmal unter Lupe nehmen, hofft Schmidt, "dass sie nichts finden", denn: "Das Schlimmste wäre ein verschollener Friedhof - dann hätten wir wirklich ein Problem". Die vor einem Jahrzehnt angedachte Sanierung würde sich weiter verzögern.
Eine regionale Tageszeitung spottete neulich schon: Bereits vor zehn Jahren habe der damalige Bauamtsleiter "konkrete Vorschläge für eine Nutzung" der Kuppelmayrschen Siedlung erarbeitet, vor drei Jahren folgte ein "aufwändiger Architektenwettbewerb" - aber bisher sei es "bei der Ratlosigkeit der Stadtväter", geblieben, "was mit dem historischen Kleinod anzufangen" sei.
Aber jetzt ist im letzten Hauptausschuss der Zuschlag für den Abbruch der Gebäudeteile in der neuen Straße erteilt worden. Unmittelbar nach dem Altstadtfest soll damit begonnen werden, verspricht der Bürgermeister. "Es ist der erste sichtbare Teil", so Schmidt hoffnungsfroh, "von da an sieht man, ab jetzt gibt es Veränderungen!". Der Abtransport des Schutts soll über den Bereich hinter der Badstraße, am Teltowkanal, erfolgen, damit die Anwohner der Altstadt nicht übermäßig mit Lärm belastet werden. Ob die LKW-Fahrer die vorgeschriebene "Baustraße" auch nutzen, könne allerdings nicht gesichert werden: "Die Kontrollpflicht auch durchzusetzen ist schwierig", so Schmidt, "das zeigt das Beispiel S-Bahn-Bau". Im Februar 2005 könne dann die Beauftragung des Bauhauptgewerbes in einer europaweiten Ausschreibung erfolgen. Für die Auftragslage des ortsansässigen Gewerbes sei dabei "einiges möglich", so der Teltower Bürgermeister, "besonders im Hinblick auf Arbeiten, die eine anschließende Dienstleistung erfordern". Schmidt verwies aber wieder darauf, dass man gesetzliche Vorgaben einhalten müsse und bemerkte: "Ortsnahe Betriebe sind meist nicht die günstigsten".
Als nicht gerade "günstig" hatte die CDU-Fraktion kürzlich die 4,8 Millionen Euro bewertet, die noch in diesem Jahr per Nachtragshaushalt für den Bau der neuen Stadtverwaltung in der historischen Mitte beantragt werden sollen. Die Christdemokraten kritisierten das bisherige Raumnutzungskonzept und sprachen von "vergoldeter Verwaltung". Die Forderungen von CDU und Bündnisgrüne, alle Beschlüsse zurückzunehmen und das Projekt zu stoppen, wurden zwar von SPD, PDS, FDP und der Bürger-Initiative Teltow (BiT) zurückgewiesen, das Projekt aber im Beirat einer nochmaligen Prüfung unterzogen.
Eine aktuelle Stellungnahme der CD-Fraktion war bis zum Redaktionsschluss nicht zu bekommen. "Die Stadt Teltow muss lebensfähig bleiben", sagt der Bürgermeister zu den "Optimierungen" des Beirates, die Einsparungen bringen sollen. Demnach könne die geplante Bibliothek auch in die Jahnstraße ziehen und der Seniorenclub in das Gebäude der angedachten Bibliothek. Das Raumkonzept des neuen Rathauses biete Möglichkeiten "Freiräume zu vermieten", sagt Schmidt, "beispielsweise an kommunale Gesellschaften, wie Fernwärme, Wohnungsgenossenschaft und Kita - Eigenbetrieb". Diese Überlegungen werden Beratungsgegenstand in der kommenden Stadtverordneten-Versammlung (SVV) am 15. September sein - (der RGV wird darüber berichten).
Den Vorwurf der CDU, die Verwaltung baue sich ein "Goldenes Rathaus", wies Schmidt als "haltlos" zurück, "im Mittelpunkt steht, ein Kommunikationszentrum zu installieren, dass die Altstadt belebt". Als "kommunikative" Einrichtungen sieht der Teltower Bürgermeister den geplanten Festsaal, die integrierte Gaststätte und den Seniorenclub. "Das ist mehr als nur ein Rathaus", so Schmidt.
"Wir sind, ohne wenn und aber, dafür", bestätigt denn auch Hans-Peter Goetz (FDP) das "optimierte" Konzept und auch Gisela Greiner (PDS) meint: "Ich finde die Lösung nicht schlecht". Für die Vertreter von FDP und PDS sei es wichtig, dass das Finanzierungskonzept über Jahre abgesichert ist. Man solle doch "das Gesamtprojekt auf fünf Jahre strecken", schlägt Goetz vor, um Geld für andere dringende Aufgaben in der Kommune freizuhalten. Außerdem könne die Kommune zusätzliche Erlöse durch Grundstücksverkäufe erzielen, wenn sie "ihre Preise überdenken".
Gleichzeitig müsse die Investorensuche verstärkt werden. "Ich denke hier an eine Professionalisierung der Wirtschaftsförderung und daran, Investoren zu suchen, die hier gut reinpassen", so Goetz. Die Gebäudeanlagen mit Höfen, Stallungen und Scheunen sei optimal für eine kleingewerbliche Nutzung.
"Man muss Schmäckerchen bieten", schlägt Greiner vor. Mit einem verstärkten Veranstaltungsangebot soll die Teltower Altstadt überregional Interesse wecken. Dafür würden sich die schon ausgebauten Höfe gut eignen. Ein Hofkonzert in Verbindung mit einer Vernissage auf dem schönen Gelände des Rehabilitationszentrums, würde den Besuchern zeigen, "was hier alles möglich ist", sagt Greiner. Allerdings dürfte das Engagement von Lars Weber, Geschäftsführer vom REHA - Zentrum Teltow, zur Zeit etwas abgekühlt sein. Nicht nur der Ärger um die ungelöste Parkplatzsituation treibt Weber mit akuten Plänen aus Teltow heraus. "Allein die Tatsache, dass es in dieser Stadt nicht möglich ist, eine Beschilderung zu bekommen, hat mich ziemlich enttäuscht", so der Geschäftsführer, der seinen vielen Berliner Kunden täglich erklären muss, wie sie das Zentrum in der Altstadt finden. Dass hier akuter Handlungsbedarf besteht, weiß Bürgermeister Schmidt, der sich zum Gespräch bereit erklärt.
Auch der vom Regionalen Gewerbeverein (RGV) initiierte "Wirtschaftsförderkreis" (Wfk) bemüht sich weiterhin um Mitsprache bei der Gestaltung der Teltower Altstadt. Leider wurde die vom Wfk angestrebte Mitarbeit im "Stadterneuerungskreis" vom Bürgermeister bisher abgelehnt. Schmidt signalisiert aber weiterhin Gesprächsbereitschaft.







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Archiv-Bezeichnung (intern): 2004-09-Kuppelmayersch




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