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| Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin |
Juni 2005
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Blinde sollen sehen, Taube sollten hören
Ja, das hört sich, wie sie liebe Leser zu recht vermuten, sehr nach Wunder an. Aber "Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehen" trällert Katja Ebstein ja auch schon seit Jahren. Sie konnte natürlich nicht ahnen, dass der Ort der Handlung in Teltow liegt. Zumindest, wenn es nach der Rechtsauffassung, der von der Stadt Teltow beauftragten Stelle, für die Regulierung und Bearbeitung, von Haftpflichtschäden geht. Die sind nämlich der Auffassung, dass Sehbehinderte sich auf schlechte Gehwegverhältnisse einstellen müssen, weil die Gefahrenstellen ja erkennbar sind. Fragt sich nur für wen? Das ist die Logik die einem Wunder gleich kommt. So geschehen, im letzten Herbst auf dem Fußgängerweg der Elbestraße, hinter der Schule in der Egerstraße. Der dort vorhandene Plattenweg ist in einem erbärmlichen Zustand. Teilweise liegen die Platten uneben oder fehlen gänzlich. Eine sehbehinderte Frau aus dem Flussviertel stürzte und zog sich einen Knöchelbruch zu. Nun soll sie nach Auffassung der Stadt, auf allen ihr dadurch entstandenen Kosten sitzen bleiben. Da wäre es doch gut, wenn die Stadtverwaltung alle Behinderten informiert, doch künftig generell lieber zu Hause zu bleiben. Gefahrenstellen gibt es ja schließlich nicht nur in der Elbestraße. Allein die Aufstellung von Markierungen und Warnschildern würde in Teltow Jahre in Anspruch nehmen. Hinzu kommt, dass Warnschilder in Blindenschrift, meines Wissens, nicht üblich sind. Einfacher wäre es vielleicht, der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen und die vorhandenen Schäden zu beseitigen. Und weil wir gerade im Flussviertel sind, da drängt sich den Anwohnern schon seit langer Zeit die Frage auf, wie das Viertel wohl zu seinem Namen kommt. Vielleicht, weil es nach einem Regenguss, so sehr den überfluteten Elbwiesen ähnelt oder dem Bode-Tal bei Hochwasser? Nicht jeder Anwohner der Bode - und der Elbestraße hatte das Glück einen Parkplatz mieten zu können und ist auf die noch vorhandene unbefestigte Freifläche hinter der Bodestraße 1 angewiesen. Natürlich gibt es dort keine Entwässerung und bei Regen heißt es: "Land unter". So ist es doch immer wieder lustig anzusehen, wenn besonders die älteren und behinderten Bürger so sportlich über die Pfützen springen. Das hätte man denen gar nicht zugetraut. Doch damit nicht genug, hat man, zur Freude aller, dort auch noch mehr als ein Dutzend alter, ungenutzter Müllcontainer abgestellt. Böse Zungen behaupten, die hätten bei den Jubiläumsfeierlichkeiten der TGW in der Wiebachstraße gestört. Andere sagen wieder, es sei ein Bestandteil der landschaftspflegerischen Maßnahmen, so eine Art Ersatzpflanzung für die gesunden, abgesägten Bäume. Als Vorzeigeobjekt ist das Flussviertel ohnehin nicht geeignet, weil bei den Rekonstruktionsarbeiten irgendwie die Puste ausgegangen ist oder das Geld alle war. So wurden einige Hauseingänge bisher noch gar nicht oder nur ungenügend erneuert. Da fehlen Regenschutzdächer und Seitenwände an den Eingangstüren. Defekte Stufen und Fußabtreterrosten fordern besondere Geschicklichkeit beim sportlichen Hürdenlauf. Und nun sage noch einer, es wird nicht genug für den Breiten - und Behindertensport getan. Da kann man nur hoffen, dass die Verantwortlichen weder blind noch taub sind und trotzdem ein Herz für Behinderte haben. Aber eigentlich brauchten sie einfach nur das tun, wofür sie monatlich doch so ein "Wundervolles Gehalt" beanspruchen. Manfred Ollmert zurück zur Übersicht zurück zur STARTSEITE Archiv-Bezeichnung (intern): 2005-06-Glosse |
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