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Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin
September 2004
"Hartzer" Käse stinkt nun mal

Verwunderung und Ratlosigkeit macht sich im Regierungslager breit. Das Volk kann so was von undankbar sein, man glaubt es kaum. Am schlimmsten sind die Ossis. Da ziehen doch einige Montag für Montag auf Straßen und Plätze und kritisieren die Reformpolitik. Selber nix arbeiten, aber rummosern und die Arbeit der Minister und ihrer Gefolgschaft mies machen, das könn' se.
Dabei war doch schon die Gesundheitsreform so ein Riesenerfolg. Die Ulla Schmidt ist voller Freude über sich. Selbst Verkehrsminister Stolpe grinst sich eins, ob seiner misslungenen Mauteinführung. Die paar Milliarden Verluste holen wir doch heutzutage bequem mit der Ökosteuer und Hartz 4 wieder rein. Früher, ja früher war das alles anders. Da mussten die Minister selber noch Ahnung davon haben, wofür sie zuständig waren. Heute umgeben sie sich mit Fachberatern und die knobeln dann mehr oder weniger aus, was alles so zu tun ist. Das kostet zwar eine Menge Geld, lohnt sich aber, weil durch Öko und Hartz 4 ..., na Sie wissen schon... hol'n wir wieder rein.
Das einfache Volk, und besonders die blöden Ossis, begreifen das eben nicht. Darum werden ja auch ein paar tausend Wessis in den Ostarbeitsämtern als Fachberater für Hartz 4 eingestellt. Die kosten dann zwar durch Westgehalt, Reisekosten, Spesen und Buschzulage so etwa das Vier- bis Fünffache als ein Ossi, aber was soll man machen, wenn die Penner im Osten das nicht begreifen. Nur so können wir das Arbeitsstellenproblem, zunächst einmal in den Altbundesländern, in den Griff bekommen. Fachberater aus dem Westen, das ist überhaupt die Lösung für alle Probleme. Was bei den Ministern schon zum Alltag gehört, muss vom einfachen Bürger erst noch begriffen werden. Das fängt doch schon in der Schule an. Wenn dich früher der Lehrer mal was gefragt hat und du wusstest es nicht - "Setzen 5". Das ist jetzt vorbei, heute kannst'e alles auf den Fachberater abschieben und 'ne 1 verlangen. Oder man bestellt z.B. 'nen Klempner weil der Wasserhahn trippelt. Der schaut sich den Fall an und nun, keine Ratlosigkeit mehr. Der ruft kurzerhand seinen Fachberater im Westen an und schon läuft der Hahn. Auch die Notärzte können bald auf ihre Fachberater zurückgreifen. Die helfen dann z.B. beim Ausfüllen der Totenscheine. Ist doch ganz einfach, die Sache. Nur Hartz 4 ist nun mal nicht so einfach, dass jeder es begreifen kann. Das Reformen notwendig sind, haben alle verstanden.
Das mit den Sparmaßnahmen nicht oben, sondern unten angefangen wird, ist schwerer zu verstehen. Deshalb machen sich so einige montags auf den Weg zur Demo. Was man da so mitunter hört, na ich kann Ihnen sagen... Die da oben wären alle blöd und noch Schlimmeres. Früher wäre man dafür auf offener Straße verhaftet worden. Heute regt sich darüber keiner mehr auf. Die Polizei steht daneben und interessiert sich gar nicht dafür. Es scheint so, als ob es für die Meisten ohnehin nichts Neues ist.
M. Ollmert







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Archiv-Bezeichnung (intern): 2004-09-Stinkerkäse




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