| Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin |
Januar 2004
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Hast`e mal `nen Euro?
"Ich, woher denn?" lautet meist die Antwort. Nun wissen wir ja noch alle aus der Schulzeit, dass man auf eine Frage, eigentlich nicht, mit einer Gegenfrage antworten soll. Früher galt das als unhöflich, aber heute eigentlich nur als normale Schutzreaktion, auf die ständige Bettelei. Wohin man auch kommt, überall die gleiche Fragen, "Haste hier und haste da, haste mal 'nen Euro?". An die Bedürftigen auf der Straße und die vielen Hilfsorganisationen haben wir uns ja langsam gewöhnt. Auch an die Fragen bei Polizeikontrollen, nach Alkohol, oder anderen Drogen. Das sind doch alles Menschen, die oft selber unschuldig in Not geraten sind. Von denen erwartet man dann ja auch nur, das sie "Danke" sagen, wenn man Ihre bescheidenen Wünsche, ohne diese berühmte Gegenfrage, "Ich, woher denn?", erfüllt. Nun gibt es aber auch noch diejenigen, bei denen man sich oft nicht sicher ist, ob sie auch wirklich unschuldig in Not geraten sind. Bei einigen ist man sich sogar ganz sicher, dass sie nicht so unschuldig sind, wie sie aussehen. Nehmen wir zum Beispiel mal, die Kommunen. Die hängen jetzt Fahnen und Transparente aus ihren Amtsstuben und lassen uns wissen, dass sie in Not sind. Warum, steht nicht drauf. Die Regierung sei schuld, also letztlich wir, wir blöden Wähler. Und um die Not zu lindern, wird bei uns gebettelt. Das heißt, gebettelt wird ja eigentlich nicht. Das klingt viel zu vulgär und deshalb begibt man sich auf Sponsorensuche. Und damit diese Suche, in den Ämtern nicht zu aufwendig wird, verwendet man auch gleich die Aufstellung der ortsansässigen Gewerbetreibenden. Dagegen ist ja eigentlich auch gar nichts einzuwenden - die zahlen schließlich regelmäßig Steuern und Abgaben. Davon lebt ja letztlich die Kommune. Trotz alle dem, scheint diese Aufstellung "Streng Geheim" zu sein. Insbesondere dann, wenn es um kommunale Ausschreibungen und der Auftragsvergabe geht. Dann bleibt sie vorsorglich unter Verschluss. Was sind nun Sponsoren? Nun, Sponsoren sind die vermeidlichen, solventen Ansprechpartner, deren man sich in den Amtsstuben immer dann erinnert, wenn Not herrscht. "Geben ist seliger als Nehmen" Das steht schon in der Bibel und stimmt sicher auch. Vielleicht findet sich ja auch ein Sponsor, der den Verantwortlichen in den Ämtern mal 'ne Bibel schenkt. Oder denen, die darin nicht lesen wollen, eben eine Kuh. Wenn 'se der dann nichts mehr zu fressen geben, wird's mit melken auch dürftig. Sowas kommt von sowas. Irgendwann ist dann eben Schluss mit melken und mit lustig sowieso, und die Antwort auf die am häufigsten gestellte Fragen, "Haste mal?, hilfst'e mal? und kannst'e mal?", lautet schlicht und ergreifend: "Ja, du kannst mich mal". M. Ollmert zurück zur Übersicht zurück zur STARTSEITE Archiv-Bezeichnung (intern): 2004-01-Euro |
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