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| Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin |
Juni 2005
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Den Mittelstand stärken
Nach den neuen Richtlinien der Wirtschafts-Förderung betrachtet die Landesregierung die Kommunen Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf jetzt als "Kompetenzregion" und wollen den Mittelstand stärker fördern. Die Brandenburgische Förderpolitik will sich in Zukunft auf 16 Branchen und 67 Standorte im Land konzentrieren. Nachdem bisher immer nur Teltow von den Landesentwicklern als "Zentrum im engeren Verflechtungsraum" eingestuft wurde, können die drei Nachbarkommunen nun in einer so genannten "Kompetenzregion" zusammengefasst werden. Laut Landesregierung sind es vier Branchen, die den förderwürdigen Schwerpunkt der Region ausmachen: Mechatronik (Teile des Maschinenbaus, Steuer-, Mess- und Regelungstechnik), Kommunikation, Optik (inklusive Lasertechnik) und die Branche mit der fremd klingenden Bezeichnung "Life Science", hinter der sich die innovative Ernährungsindustrie ebenso verbirgt wie die Medizintechnik.
Unter dem Motto "Stärken stärken - Wachstum fördern" baut die Landesregierung ihre neue Förderpolitik auf zwei Säulen auf: Man konzentriert sich auf "Branchenkompetenzfelder" und erkennt - nun endlich - den Mittelstand als "Rückgrat der märkischen Wirtschaft" für förderwürdig an. Das heißt, dass kleine und mittelständische Unternehmen in Zukunft "für förderfähige Investitionen bis zu einer Investitionssumme von 2.5 Millionen Euro ... stets die höchstmögliche Förderung - unabhängig von Ort und Branche" in Anspruch nehmen können. Die Förderung für den Mittelstand soll "schnell und unbürokratisch" von statten gehen und mittelständische Unternehmen von einer Vorfinanzierung befreien. Diese Neuausrichtung trifft bei vielen Beteiligten erstmal auf ein positives Echo. "Das ist ein guter Ansatz", meint Helmut Barthel vom Wirtschafts-Club Südwest e.V.. Der Wirtschafts-Club bündelt und vertritt die Interessen von Einzelpersonen, Unternehmen und Vertretern von Bildungs- und Forschungseinrichtungen zur Entwicklung der Region Berlin Steglitz-Zehlendorf und des Brandenburger Umlandes. "Mit der Konzentration auf den Mittelstand und auf innovative Branchen könnte ich mir vorstellen, dass es hier wieder Wachstum gibt", hofft Barthel, der gleichzeitig bedauert, dass in der Vergangenheit zu viel Geld in fragwürdige Großprojekte geflossen sei. Barthel findet es wichtig und richtig, dass es jetzt zu Grundsatzdiskussionen um den Fördertopf gekommen ist. Der Diskussionsprozess sollte bestmöglich genutzt werden und auch diejenigen zu Worte kommen lassen, die Bedenken hätten. Allerdings kommt das Umschwenken der Landesregierung nicht von ungefähr. Die Notwendigkeit für eine Neuausrichtung ist unausweichlich, weil die EU-Fördermittel bereits ab 2007 geringer werden; ab 2008 werden die Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen schrittweise abgebaut; ab 2019 läuft der Solidarpakt aus und die Bundeshilfe entfällt. Aus diesen Gründen drängt die Landesregierung darauf, Fördergelder in den nächsten Jahren dort einzusetzen, wo "sie Arbeitsplätze schaffen und eine Rendite abwerfen" die für mehr Spielraum in der Gestaltung des Landes sorgen soll. "Wie lange noch am Tropf?" hieß es denn auch in der vor kurzem gelaufenen Podiumsdiskussion, die mit hochkarätiger Besetzung in der Industrie- und Handelskammer in Potsdam stattfand. Während Ex-Ministerpräsident Sachsens, Kurt Biedenkopf (CDU), als Mitglied im Hartz-IV-Ombudsrat zu mehr Geduld bei der Wirkung der Reformen aufrief, machte der Generalsekretär vom Zentralverband des Deutschen Handwerks, Hans-Eberhard Schleyer, deutlich, wie sehr den Handwerkern der Schuh drückt. "Keine Förderung", das sei momentan das Dilemma, in dem sich kleine und mittelständische Betriebe befinden, so Schleyer. Das von Biedenkopf behauptete "beträchtliche Defizit von Unternehmern in dieser Region" wies Schleyer zurück: In den letzten Jahren habe sich die Zahl der Unternehmer im Handwerk vervierfacht. Das "Dilemma" bestehe vielmehr darin, dass die Nachfrage sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich stark zurückgegangen sei und im Zuge der EU-Osterweiterung "Handwerker über Nacht in einen Wettbewerb geschickt wurden, den sie gar nicht bestehen konnten". Weil wir jetzt in einem größeren Europa leben, müsse auch der Investitionsgedanke mehr in den Vordergrund rücken, meinte Schleyer. Der Investitionsgedanke wird von der jetzigen Landesregierung durchaus weit gefasst. "Investitionen sind nicht nur Beton", sagte Staatskanzleichef Clemens Appel in der IHK, "sondern auch Bildung!". Man könne die Menschen aus den strukturschwachen Regionen nicht zur Arbeitssuche in andere Bundesländer schicken, wenn man ihnen nicht wenigstens eine entsprechende Bildung mitgegeben habe. Auch wenn es jetzt "Branchen-Schwerpunktregionen" heißen soll, findet Norbert Gölitzer, Bezirksgeschäftsführer vom Unternehmerverband Brandenburg e.V., den Begriff "Wachstumsregion" weiterhin treffend. "Die Regionen, in der es schon Branchen gibt, sollten in Zukunft auch Wachstumsregionen sein, weil sich Unternehmen immer dort ansiedeln, wo sie eine gute Infrastruktur vorfinden - unabhängig von Fördermitteln", so Gölitzer. Insofern könne die Region Kleinmachnow, Teltow Stahnsdorf auch weiterhin mit ihrem "Branchenmix" gemeinsam nach außen treten. Dass die Region nun bei der Landesregierung als Einheit gesehen werde, sei der hiesigen Wirtschaft, Politik und Verwaltung zu verdanken, die das Gemeinsame immer wieder vorgetragen habe, meint der Geschäftsführer. Auch die gemeinsamen Aktivitäten wie Technologie Tag, Regionale Wirtschaftsschau und Teltalk hätten eine "einheitliche Wirkung nach außen" erzielt. Der Vorsitzende von der Kommunalen Arbeitsgruppe "Der Teltow", die von Gölitzer in diesem Zusammenhang ebenfalls lobend erwähnt wird, ist da skeptischer. "Das sind bis jetzt noch Kopfgedanken", meint Michael Burhenne, "das ist alles noch zu allgemein formuliert, als dass man jetzt jubilieren könnte". zurück zur Übersicht zurück zur STARTSEITE Archiv-Bezeichnung (intern): 2005-06-Mittelstand |
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