| Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin |
Juni 2004
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Der Jugend eine Chance geben
Hilfsangebote für die betriebliche Ausbildung junger Menschen Wer selber einmal Lehrling war, weiß, dass diese Zeit eine der prägendsten ist. Zwischen Jugend und Erwachsensein steht der Auszubildende plötzlich ohne den Schutz der Schulklasse da, ist den Gesellen und Meistern im Betrieb untergeordnet und muss den Wünschen der Kunden entgegen kommen. Das erfordert Kompromissbereitschaft. Die eigenen Wünsche müssen zurück stehen. Auf der anderen Seite wird - in einem gutem Ausbildungsverhältnis - an den jungen Menschen eine große Verantwortung übertragen: Wenn er selbst Kundengespräche führt oder aktiv in die Produktion, Wartung oder Reparatur mit einbezogen wird. Die betriebliche Ausbildung hat also einen wesentlichen Anteil daran, wie junge Menschen zu Bürgern heranwachsen. Umso bedauerlicher ist es, dass einem Großteil der jungen Generation dieser Integrationsprozess verwehrt wird. "Die Hälfte unserer Schüler hat noch keine Lehrstelle", muss Irene Wackrow, stellvertretende Leiterin der Teltower Gesamtschule, am Ende des Schuljahres feststellen. Auch bei den weiterführenden Schulen sieht es nur wenig besser aus: Von 82 Abgangsschülern hatten, zu Beginn des letzten Schulhalbjahres, 21 eine feste Zusage für eine betriebliche Ausbildung, wobei nur 7 Schüler das Ziel angaben, für ein Fachabitur noch mal die Schulbank drücken zu wollen. Während Gesamt- und Realschüler zunehmend als "dumm" dargestellt werden, freut sich der Zentralverband des Deutschen Handwerks in einer Pressemitteilung: "Abi plus Lehre ist wieder in". Kann das die Lösung sein? Wohl kaum. Denn nur die wenigsten Abiturienten bleiben den Betrieben nach der Lehre erhalten. Für die Betriebe, die trotz eigener wirtschaftlicher Schwierigkeiten Auszubildende beschäftigen, gibt es Hilfsangebote. Der Ausbildungsverbund Teltow e.V. (AVT) übernimmt Teilbereiche der Ausbildung. "Wenn beispielsweise bestimmte Maschinen nicht vorhanden sind oder für Ausbildungsbereiche keine Zeit da ist, übernehmen wir das", sagt Karl-Heinz Ganzleben. Der Geschäftsführer des AVT meint, dass heutige Schüler "nicht pauschal so schlecht sind, wie es immer dargestellt wird". Es gibt Defizite bei der Rechtschreibung und beim Rechnen, aber "am Computer können sie alles". Auch Doktor Fritz Wegner, Geschäftsführer vom Ausbildungsring Potsdam-Brandenburg e.V. (ABR) will kein Pauschalurteil über das Niveau der Schüler fällen: "Sie lernen heute etwas anderes, was nicht unbedingt mit den betrieblichen Anforderungen kompatibel ist". Wegner hat dazu einen großen Überblick, denn der ABR hält Kontakt zu fast 2000 Betrieben im Kammerbezirk der IHK Potsdam. "So gesehen, sind wir der größte Ausbilder im Land Brandenburg", sagt Wegner, "zur Zeit haben wir etwa 1800 Auszubildende, die bei uns unter Vertrag stehen". Allerdings können Lehrstellen suchende Jugendliche keinen direkten Kontakt zu diesem großen Ausbildungsangebot herstellen - der Weg dorthin führt immer über die Arbeitsagentur. "Nicht jedes Unternehmen schöpft in jedem Jahr das eigene Potential an Ausbildung aus", sagt Wegner, "was an Platz vorhanden und durch Ausbilder abgedeckt wäre, kann meist aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht vollständig genutzt werden". Unter bestimmten Vorbedingungen kann der Ring in den Betrieben, die dem Kammerbezirk der IHK Potsdam zugeordnet sind, dann zusätzlich Azubis ausbilden. "Der Betrieb muss Erfahrung haben, darf also kein Erstausbilder sein", erläutert der Geschäftsführer, "außerdem müssen schon eigene, betriebliche Lehrlinge vorhanden sein, um zusätzliche gefördert ausbilden zu können". Das Geld für diese Ausbildung wird von Bund und Land unter Nutzung von Mitteln aus dem Europäischen Sozial Fonds zur Verfügung gestellt. Durch Fördermittel vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen (MASGF) werden die Auszubildenden vom Ring entlohnt und sind per Ausbildungsvertrag auch dort versichert und dem Ausbildungsring disziplinarisch unterstellt. Die Kammern wachen darüber, dass die Rahmenbedingungen eingehalten werden. "Im Prinzip arbeiten wir mit allen Unternehmen zusammen, die betrieblich ausbilden", so Wegner, eine Ausnahme bilde nur das Handwerk, dass ein eigenes Förderprogramm anbietet. Jugendliche, die zum Ausbildungsring vermittelt werden, stellen sich dann bei dem in Frage kommenden Betrieb vor, derselbst entscheidet, ob der junge Mann oder die junge Frau in das Unternehmen passt. "Man muss den jungen Leuten eine Chance geben und ihnen frühzeitig Verantwortung übertragen", sagt Donald Breitling, Inhaber einer Stahnsdorfer Gebäudereinigungsfirma. Dieses Verantwortungsbewusstsein muss weiterhin Bestand haben, trotz fehlender Aufträge, trotz niedrigerem Bildungsniveau und abgesehen davon, ob eine Ausbildungsplatzabgabe durchgesetzt wird oder nicht. Karsten Sawalski zurück zur Übersicht zurück zur STARTSEITE Archiv-Bezeichnung (intern): 2004-06-Hilfe |
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