| Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin |
Mai 2004
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Die Sicherung regionaler Arbeits- und Ausbildungsplätze beginnt bei der Auftragsvergabe
Dass der Aufschwung weiter auf sich warten lässt, haben hiesige Handwerksmeister längst gemerkt. Seit Ende April ist die Misere auch öffentlich und durch Zahlen belegt worden. "Von der zaghaften Besserung der Geschäftslage im Handwerkskammerbezirk Potsdam, die sich im Herbst 2003 abzeichnete ist nur ein schwacher Schimmer geblieben", kommentierte Handwerkskammerpräsident Klaus Windeck die Ergebnisse der Frühjahrskonjunkturumfrage. Die Umfrage der landesgrößten Handwerkskammer (HWK) Potsdam, zu dem auch unser Landkreis gehört, umfasst den Zeitraum von Oktober 2003 bis März 2004. Im gesamten Kammerbezirk beurteilen 51 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als "schlecht" - 5000 von etwa insgesamt 70 000 Arbeitsplätzen gingen in den letzten sechs Monaten verloren. Jede dritte Firma konnte, wegen fehlender Aufträge, nur zur Hälfte ausgelastet werden und musste deshalb Personal abbauen. Zur Zeit sind allein 3500 der zirka 14 000 Firmen so genannte "Ein-Mann-Betriebe". Zu den Bereichen, die ihre Wirtschaftslage mit "schlecht" oder "überwiegend negativ" beurteilen, gehören das Nahrungsmittelhandwerk und das Dienstleistungshandwerk. Für das Bauhauptgewerbe hat sich die Geschäftslage gegenüber dem Vorjahr nur "unwesentlich" verändert, während sich die Situation im Ausbaugewerbe "gebessert" habe. Kammerpräsident Windeck führt die anhaltende Auftragsflaute für das Handwerk auf die hohe Arbeitslosigkeit, die Gesundheits- und Arbeitsmarktreformen zurück, die Betriebe und Verbraucher weiterhin verunsichern würden. "Bis zu einer durchgreifenden Binnenkonjunktur ist es noch weit", prognostiziert Windeck, "dazu müsste mehr Geld in die Taschen der Haushalte fließen". Das Warten auf einen ungewissen Aufschwung können sich allerdings nicht mehr allzu viele Handwerksbetriebe erlauben. Denn mittlerweile befinden sich etliche Handwerksmeister in der Region Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf in einer "katastrophalen, finanziellen Situation". Das meint zumindest ein engagiertes Mitglied der Kreishandwerkerschaft, Elektromeister Jürgen Rose aus Kleinmachnow: "Da gibt es keine Reserven mehr, weil die eigene Rente und alle Ersparnisse schon aufgebraucht sind". Im Gegensatz zur Handwerkskammer Potsdam steht der Elektromeister der EU-Osterweiterung nicht ganz so gelassen gegenüber. Für die Kleinstbetriebe aus dieser Region biete das Nachbarland Polen keine Auftragsmöglichkeiten, außer: "wenn man dort selbst als Firma ansässig wird" und dazu bereit sei, für einen Stundenlohn von vier Euro zu arbeiten, so Rose. Wenn aber der polnische Marktnoch nicht die großen Chancen bietet, die von der Politik so hoffnungsvoll gesehen werden, muss sich das hiesige Handwerk weiterhin vor Ort orientieren. Aber: "Der private Markt ist hier fast völlig weggebrochen", sagt Rose, "mittlerweile ist nur noch ganz tief im Süden Deutschlands etwas zu holen". Das trifft sicherlich nicht auf alle Bereiche des Handwerks gleichermaßen zu, macht aber eine Wanderungsbewegung deutlich, die von kommunaler Seite zumindest verringert werden könnte. Angesichts der schwierigen, wirtschaftlichen Situation möchte das ansässige Handwerk stärker bei der Vergabe öffentlicher Aufträge ihrer Kommunen berücksichtigt werden. Die Wirklichkeit sieht anders aus, wie es das Bauschild in Kleinmachnow zeigt: Nur ein Betrieb aus dem Ort ist an dem Neubau eines Kinderhauses beteiligt. Die Vergabe öffentlicher Aufträge unterliege dem "Preisdumping", meint Donald Breitling, Inhaber einer Gebäudereinigungsfirma in Stahnsdorf, "bei unseren tariflichen Verpflichtungen können wir bei diesen Angeboten nicht mithalten". Eine Vergabe an das "wirtschaftlichste Angebot" sei mit der "Tariftreue" nicht vereinbar, so Breitling, besonders in Schulen würden Reinigungsfirmen arbeiten, die "kaum noch oder sehr verspätet ihre Löhne auszahlen können". Mit der geplanten Ausbildungsplatzabgabe kommen neue Belastungen auf die Handwerksbetriebe (ab zehn Beschäftigte) zu. Die Meinung darüber scheint unter den Meistern geteilt zu sein. Tischlermeister Hartmut Eichelbaum aus Stahnsdorf, der seine Belegschaft in den letzten 1,5 Jahren von zwölf auf vier Beschäftigte verringern musste, beurteilt die Abgabe als "Nonsens" und auch Elektromeister Rose meint: "Zuerst einmal brauchen wir Aufträge, um die Auszubildenden auch beschäftigen zu können". Trotzdem findet Gebäudereinigungsmeister Breitling: "Man muss den jungen Leuten eine Chance geben und ihnen früh Verantwortung übertragen". Dem fehlenden Interesse der Schüler will die Handwerkskammer Potsdam jetzt mit einer groß angelegten Image-Kampagne, unter dem Titel "Dranbleiben", begegnen. Gleiches muss für das Thema "Vergabe öffentlicher Aufträge" gelten. ks Die Vergabe öffentlicher Aufträge ist zum Tabu-Thema in der Politik geworden. Um es wieder öffentlich zu machen, wird der Regionale Gewerbeverein einen "Runden Tisch" initiieren, an dem Politiker, Handwerksmeister und Bauamtsleiter nach neuen Lösungswegen suchen. zurück zur Übersicht zurück zur STARTSEITE Archiv-Bezeichnung (intern): 2004-05-Ausbildung |
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