| Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin |
April 2004
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Aus dem Kann ein Soll machen
Kreishandwerkerschaft: "Arbeitshilfen für Vergabestellen finden kaum Anwendung" Bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen soll das wirtschaftlichste Angebot den Zuschlag erhalten, nicht das billigste. Warum in der Vergabepraxis oftmals genau umgekehrt gehandelt wird, kann sich Christine Manzl, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft auch nicht genau erklären. "Es ist mir unverständlich", sagt Manzl, "sicherlich sind die Leute in den Vergabestellen um ihre schwierige Aufgabe nicht zu beneiden, aber letztendlich bekommen doch die billigsten Anbieter immer wieder die Aufträge". Schon seit über drei Jahren versucht die Kreishandwerkerschaft bei der Politik ein Umdenken zu erreichen, damit ortsansässige Betriebe bei der Vergabe kommunaler Aufträge stärker berücksichtigt werden. "Wir haben im Jahr 2001 das Gespräch mit Matthias Platzeck, damals noch Potsdamer Bürgermeister, gesucht, dann mit dem Landrat, mit den Fraktionen der CDU und SPD im Landrat", zählt die Geschäftsführerin die bisher ergebnislosen Kontakte auf. Erstmals die Kreishandwerkerschaft selbst recherchierte, wie die Vergabestellen in den anderen Bundesländern arbeiten, sei man fündig geworden. Unter dem Titel "Das wirtschaftlichste Angebot - Hinweise zur richtigen Wertung im Vergabeverfahren" hatte das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie eine Arbeitshilfe heraus gegeben, die auch praktikabel erschien. Danach soll das wirtschaftlichste Angebot in vier Schritten im Ausschlussverfahren ermittelt werden. Den Zuschlag bekommt das Angebot, welches von den verbleibenden als das wirtschaftlichstes ausgewählt wird. Zudem gibt die Arbeitshilfe etliche Wertungskriterien an, wie Innovation, die Höhe eventueller Reparaturkosten, Wartungskosten, sonstige Folgekosten und noch weitere. Allerdings steht auch in der bayerischen Empfehlung: "Das Merkmal der Ortsansässigkeit ist daher in der Regel kein sachliches Kriterium, ...". Trotzdem sei mit dem Erscheinen der Arbeitshilfe die Hoffnung bei der Kreishandwerkerschaft groß gewesen, dass sich die Situation für das heimische Handwerk ändern könnte. "Allerdings ist es nur eine Empfehlung", gibt Manzl heute zu, "die in der Praxis wohl kaum Anwendung fand". "Jetzt geht es darum, aus dem Kann ein Soll zu machen", sagt Manzl mit Blick auf weitere Kontaktsuche zur Politik. Am 17. Februar dieses Jahres traf sich die Kreishandwerkerschaft zu einer Anhörung mit dem wirtschaftspolitischen Sprecher der SPD, Heiko Müller. Der soll dazu beitragen, dass die Broschüre zur Pflicht wird. Konsequenzen haben sich daraus noch nicht ergeben. "Wir werden die Verbindung wieder aufnehmen", verspricht Manzl. Bei all ihren Bemühungen weiß die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft aber auch, dass ihre Klientel weiter daran arbeiten muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. "Ich denke, sie tun sich ein wenig schwer damit", antwortet Manzl auf die Frage, ob sich hiesige Handwerksfirmen für größere Aufträge auch zusammen bewerben würden. Teilweise gebe es diese Netzwerke schon, aber dabei müsse auch immer die Hemmschwelle überwunden werden, "dass sich der Eine auf den Anderen verlassen können muss". Auch bei der Informationsbeschaffung über zu vergebene Aufträge gebe es Defizite. "Einige Handwerksmeister scheuen sich noch immer vor dem Internet", sagt Manzl. Es gibt also auf beiden Seiten noch viel zu tun, damit die Betriebe der Region an die Aufträge der Kommunen kommen. Karsten Sawalski zurück zur Übersicht zurück zur STARTSEITE Archiv-Bezeichnung (intern): 2004-04-Kann |
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