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Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin
Januar 2004
Teltow im Dornröschenschlaf
Neuer Schwung zur Belebung der Altstadt
Die großen Pläne, die Anfang der 90er Jahre für die Teltower Zukunft geschmiedet wurden, scheinen in einer Warteschleife fest zu stecken. Weder das Verkehrskonzept mit Spangensystem, noch die Sanierung der Altstadt konnten in den letzten zwei Jahren sichtbar voran getrieben werden. Zumindest was den lang erwarteten Baubeginn der Kuppelmayerschen Siedlung betrifft, soll es noch in diesem Jahr losgehen, verspricht Bürgermeister Thomas Schmidt. Der Regionale Gewerbe Verein e.V. (RGV) will aber nicht länger warten und plant für die Wiederbelebung der Teltower Altstadt einen "Wirtschaftsförderkreis" (WFK) zu initiieren.
Der Anwohner der Teltower Altstadt hat "ein Riesenproblem". Der Verkehr, der sich tagsüber mit überhöhter Geschwindigkeit an seinem Haus vorbei bewegt, lässt "die Möbel und die Gläser klirren". Per E-Mail fragt er im Internetforum der Website www.altstadt-teltow.de an, ob nicht für innerhalb der Altstadt ansässige Firmen eine "günstigere Ausfahrtmöglichkeit", beispielsweise über das Zeppelinufer" als kurzfristige Lösung eingerichtet werden könnte. Denn: "Die Oderstraßenverlängerung dauert und dauert...", so der entnervte Anwohner. "Das dauert", war auch die Antwort aus dem Teltower Bauamt.

Der RGV hatte nachgefragt, wann denn mit dem Sanierungsbeginn der Kuppelmayerschen Siedlung zu rechnen sei. Das Bauantragsverfahren laufe zwar schon und mit einer Baugenehmigung rechne man im April 2004, wenn der Landkreis diese erteile, heißt es aus dem Teltower Bauamt. Danach müsse das Vorhaben aber erst europaweit ausgeschrieben werden und archäologische Untersuchungen des Geländes, die baubegleitend stattfinden sollen, könnten auch noch verzögernd einwirken. Ob die Erneuerung der Altstadt "im wesentlichen bis 2008" abgeschlossen werden kann, so wie es der Sanierungsträger complan im Internet verspricht, darüber ist man sich im städtischen Bauamt nicht sicher. "Die Haushaltslage ist unsicher", heißt es aus der Amtsstube. Aber: "An dieser Stelle soll nicht gekürzt werden", sagt Bürgermeister Thomas Schmidt entschieden und trotz unsicherer Haushaltslage. Spätestens im Oktober dieses Jahres soll die Sanierung und Modernisierung der ehemaligen Ordonnanzgebäude von König Friedrich Wilhelm I. starten.

Jedoch bleibt die Wiederbelebung der Altstadt auf unglückliche Weise mit dem ungelösten Teltower Verkehrsproblem verbunden. Denn so lange die Autoschlangen nicht über die verlängerte Oderstraße (als so genannte "Nordspange" geplant) an der Innenstadt vorbei geführt werden können, wird sich der Einzelhandel an der Potsdamer Straße nicht entwickeln. Hier aber, zwischen Trend-Kaufhaus und Ruhlsdorfer Platz, eine Bummelmeile zu schaffen, das ist das Ziel des RGV, der dadurch auch die Altstadt wieder beleben möchte. "Man muss die Bewegung zur Belebung der Altstadt auch von anderen Seiten initiieren", sagt Uwe Valentin vom RGV, "die zunehmende Anwohnerschaft Teltows braucht eine funktionierende Innenstadt und auch für kaufkräftige Touristen wäre die Verbindung von Bummelmeile und historischem Stadtkern sehr wichtig".

Der Ist-Zustand, der Potsdamer Straße ist sehr unbefriedigend: Zu viele Grundstücke stehen brach, weil die Eigentümer im Wartestand verharren. Teilweise verständlich, sind doch gezielte Investitionen erst dann sinnvoll, wenn eine Aussicht auf Verkehrsentlastung durch die Nordspange besteht. Da aber droht die leere Haushaltskasse der Kommune. "Wir befinden uns im Planfeststellungsverfahren", sagt Teltows Bürgermeister zur Weiterführung von Nord- und Ostspange, und die Finanzierung sei bis zum heutigen Tag nicht gesichert. Schmidt hofft, mit dem ersten Bauabschnitt der Ostspange (Mahlower Straße - Lichterfelder Allee - Zehlendorfer Straße) noch in diesem Jahr beginnen zu können. Die dazu benötigten Haushaltsmittel müssten aber "noch diskutiert werden". Die Verlängerung der Oderstraße stehe erst mal "am Ende der Kette", sagt der Bürgermeister, der sich im weiteren Gespräch aber flexibel zeigt: "Wenn es sich als günstiger erweist könnte man die Nordspange auch vorziehen". Immerhin ein hoffnungsvoller Denkansatz!

Auch der Teltower Bürgermeister kann sich die Wiederbelebung der Altstadt im Zusammenhang mit einem florierenden Einzelhandel an der Potsdamer Straße vorstellen. "Aber wir können dabei nur auf dem schmalen Grad der Wirtschaftförderung wandeln, weil die Stadt dort keine Liegenschaften besitzt", gibt Schmidt klein bei. Zum Funktionieren der "Vision" setzt der Bürgermeister voraus, dass erstens das Spangensystem fertig gestellt und zweitens die planerische Vorarbeit geleistet wird, die klärt, wer sich an der Potsdamer Straße ansiedeln will. "Die Interessenten rennen uns nicht gerade die Tür ein", sagt Schmidt.

Genau da setzt die Initiative des Regionalen GewerbeVereins Stahnsdorf, Kleinmachnow, Teltow e.V an. Denn der RGV versteht sich als Vermittler des örtlichen Einzelhandels, des Handwerks und des Gewerbes. Mit der Initiierung des Wirtschaftsförderkreis Teltower Altstadt (WFK) spricht der RGV Mieter und Pächter aus Handel und Gewerbe, Grundstücksinhaber, Investoren, Anbieter in Touristik und Freizeit, örtliche Vereine, städtische Parlamentarier, Stadtverwaltung, Sanierungsträger und natürlich alle Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen an. "Wir wollen mit den Grundstücksinhabern Ansiedlungs- und Nutzungskonzepte entwickeln, mit Investoren die Standorte erschließen, uns mit dem Sanierungsträger, Stadtparlament, Stadtverwaltung beraten, zwischen Grundstücksbesitzern, Mieter, Pächtern und Investoren vermitteln und dabei natürlich die Bedürfnisse der Anlieger berücksichtigen", sagt Uwe Valentin zur Zielsetzung des WFK. Für die Umsetzung ist ein engagiertes Altstadt-Marketing geplant, welches die Gewinnung von Sponsoren einschließt.

Mit vereinter Kraft soll so der Versuch unternommen werden, zeitgleich mit der Sanierung der Kuppelmayerischen Siedlung zum städtischen Verwaltungszentrum, an weiteren Stellen des Altstadtzentrums Investitionen zur Ansiedlung von Handel und Gewerbe in Gang zusetzen. Voraussetzung dafür ist eine vorgezogen Realisierung der Nordspange. So könnte in drei bis vier Jahren ein Qualitätssprung für die innerstädtische Infrastruktur erreicht werden, die den Bürgern und Gewerbetreibenden gleichermaßen mehr Lebensqualität beschert.

ks/uv







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Archiv-Bezeichnung (intern): 2004-01-Altstadt




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