| Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin |
November 2003
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Endbahnhof Teltow - der Weisheit letzter Schluss?
Brandenburgs Bau- und Verkehrsminister Frank Szymanski rechnet mit 10 000 Fahrgästen, die ab Ende 2004 täglich zwischen Lichterfelde-Süd und Teltow pendeln sollen. Die Prognose hört sich zwar hoffnungsvoll an, aber eine Weiterführung der S-Bahnstrecke nach Stahnsdorf ist von der Landesregierung zur Zeit nicht geplant. Obwohl eine Anbindung an die Gewerbegebiete Arbeitsplätze sichern und schaffen könnte. Der erste Spatenstich findet viel Beachtung. Etwa 80 Bürger aus der Region und etliche Journalisten sind am 22. Oktober vor Ort, als Verkehrsminister Szymanski das Verkehrsvorhaben der Deutschen Bahn (DB) als "Vorwegnahme der Länderfusion per Schiene" anpreist. Die anwesenden Bürger scheinen nicht ganz so erfreut zu sein. "Das wird auch langsam Zeit", tönt es dem Minister aus dem Publikum entgegen. Der Neubau von rund drei Kilometern Strecke zwischen Lichterfelde-Süd und Teltow-Stadt wurde lange Zeit verschoben und bringt für das zunehmend gemeinsamoperierende Wirtschaftsgebiet Teltow-Stahnsdorf-Kleinmachnow nur die halbe Lösung. Denn für Verkehrsminister Szymanski ist der neue S-Bahnhof an der Mahlower Straße der vorläufige Endpunkt: "Wir bauen erst mal diesen Abschnitt als Endbahnhof und schauen dann auf die Fahrgastzahlen". Angesichts der schwierigen Haushaltslage sei eine Finanzierung für die Weiterführung der Strecke nicht gegeben, warnt der Minister vor weiteren Forderungen. "Außerdem ist die Lückenschließung um Berlin noch nicht fertig", sagt Szymanski, "es warten noch andere Orte auf ihren Anschluss - beispielsweise Falkensee". Mit einem Endbahnhof in Teltow will sich Stahnsdorfs Bürgermeister Gerhard Enser (CDU) allerdings nicht abfinden. Schließlich sei es im Einigungsvertrag fest verankert, sagt Enser auf Nachfrage des RGV, dass die alten Verbindungen wieder her gestellt werden. Außerdem weiß Stahnsdorfs Bürgermeister, wie wichtig der Anschluss für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ist. Eine S-Bahnanbindung an das neu entstandene Gewerbegebiet würde einen besseren Verkauf sichern und auch die ansässigen Firmen im Green Park warten darauf. Für die dort beschäftigten Mitarbeiter sei der Teltower Bahnhof wenig attraktiv, weil die Zubringer-Busse auch über den Ruhlsdorfer Platz müssten und dann im Stau ständen. Der neue Bahnhof wird unter der Brücke der Mahlower Straße erbaut, Linienbusse über die Gonfrevillestraße und die Mahlower Straße werden den S-Bahnhof an das Busnetz anbinden. Rund 20 Busse sollen den Bahnhof dann stündlich anfahren. Für Stahnsdorf hat Enser eine Übergangsidee: "Man könnte den Busverkehr über die bestehende, alte Bahn-Trasse führen". Mit der Verbindung Teltow-Lichterfelde-Süd wird sich für die im Green Park ansässigen Firmen wohl nicht viel ändern. Die Pressesprecherin von Vodafone, Anka Vollmann, vermutet, dass die Mitarbeiter Ende 2004 nicht auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) umsteigen werden. "Weil wir zu ungewöhnlichen Zeiten im Drei-Schicht-System arbeiten und dann keine Zubringerbusse zum neuen S-Bahnhof fahren", begründet Vollmann. Der Telekommunikationsanbieter Vodafone zählt mit 680 Mitarbeitern zum größten Arbeitgeber der Region. Fast 40 Prozent der Beschäftigten kommen aus Berlin. Alle fahren mit dem eigenen Auto zur Arbeit. Ein direkter S-Bahn-Anschluss an den Green-Park hingegen könnte bewirken, dass die Mitarbeiter ihr Verkehrverhalten ändern. "Ein Großteil der Pendler arbeitet tagsüber und wenn einer gute Erfahrungen mit dem ÖPNV macht, ziehen die anderen nach", so Vollmann. Für die Firma CST-Concepts aus dem Teltower-Techno-Terrain kommt der S-Bahn-Anschluss bereits zu spät. Das Unternehmen hat den Hauptsitz wieder nach Berlin verlegt und nur noch ein Büro mit zwei Mitarbeitern an der Teltower Neißestraße behalten. "Mit uns sind zwei weitere Firmen aus dem Gebäude in Teltow zurück nach Berlin gezogen", berichtet der Geschäftsführer Dieter Wendisch. Die schlechte ÖPNV-Anbindung sei ein Hauptgrund für den Wegzug gewesen. Seine Mitarbeiter kamen mit dem Auto, dem Bus, der S-Bahn und per Fahrrad zur Arbeit. "Das war sehr aufwändig, obwohl Teltow selbst aus Sicht der Hauptstädter als ein Teil von Berlin gesehen wird", sagt Wendisch. Seiner Meinung nach ist die Mahlower Straße als Endbahnhof nur eine halbe Lösung: "Die Strecke hätte eine Station weiter, bis zur Ruhlsdorfer Straße, gehen sollen". Bei der DB macht man sich indes über die Ausweitung des eigenen Netzes nach Stahnsdorf keine Gedanken. "So lange vom Land Brandenburg keine diesbezüglichen Anträge vorliegen, kann ich Ihnen da gar nichts sagen", informiert Michael Baufeld vom Bereich Kommunikation der DB ProjektBau GmbH. Ohne öffentlichen Auftrag erstelle die DB keine Wirtschaftlichkeitsstudien. Der Teltower Bahnhof sei Teil des "Lückenschlussprogramms", das 1990 begann und das Land Brandenburg habe den Streckenbau in Auftrag gegeben, weil Teltow als Siedlungsschwerpunkt gefördert werden sollte. Die Finanzierung von 32 Millionen Euro für die drei Kilometer lange Strecke übernahm der Bund mit 20, das Land mit 8 und die DB mit 4 Millionen Euro. Wie gesagt, die DB macht keine Pläne ohne Auftrag. Auch die Idee, die Verbindung über Stahnsdorf nach Jüterbog wieder zu beleben, lockt den DB-Mitarbeiter Baufeld nicht aus der Reserve: "Verantwortlich ist zunächst das Land Brandenburg", beharrt er, "oder es gibt einen privaten Investor". Am Tag des ersten Spatenstichs ist die Rede vom "ehrgeizigen" Bauvorhaben der DB. Am 15. Dezember 2004 soll die Strecke in Betrieb genommen werden. 30 000 Kubikmeter Sand werden bewegt, vier Weichen und sechs Signale eingebaut und das Elektronische Stellwerk in Lichterfelde Ost wieder angeschlossen. Zwei Eisenbahnbrücken über den Zollgraben und den Siedlungsgraben, sowie drei Straßenbrücken für den Zehnrutenweg, den Heinersdorfer Weg und die Mahlower Straße werden errichtet. Der 22. Oktober 2003 ist für Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) ein besonderer Tag in der Geschichte der Stadt: Was früher Welten getrennt habe, sei jetzt nur noch eine Grenze zwischen den Bundesländern, sagt er vor dem Spatenstich. Nicht nur die Lebensqualität der Teltower werde sich dadurch verbessern, sondern die Stadt werde auch attraktiver als Wohnstandort. Im 20-Minuten-Takt soll die S-Bahn Teltow mit der Berliner Innenstadt verbinden. "In 23 Minuten zum Potsdamer Platz", heißt der Slogan der Deutschen Bahn. "Lassen Sie uns Teltow in vollen Zügen genießen", fordert Schmidt die Bürger auf, das Verkehrsangebot auch anzunehmen. Gute Fahrgastzahlen könnten mögliche Einsparungen der DB am Netz verhindern. Auch für seine Partner in der Region legt der Teltower Bürgermeister ein Wort mit ein: "Der Bau nährt die Hoffnung auf eine S-Bahn nach Stahnsdorf". ks zurück zur Übersicht zurück zur STARTSEITE Archiv-Bezeichnung (intern): 2003-11-Endbahnhof |
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