Stahnsdorf
Teltow
Kleinmachnow
Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin
Oktober 2003
RGV sucht Kontakt zu den Kommunen
Podiumsdiskussion mit den Bürgermeistern von Stahnsdorf, Kleinmachnow und Teltow
Angesichts anhaltend wirtschaftlich schwieriger Zeiten rücken Unternehmer nicht nur untereinander enger zusammen, sie suchen auch vereint den verstärkten Kontakt zu den Kommunen, um die aktuellen Probleme mit anzupacken. Bei einem Podiumsgespräch zeigten sich die Bürgermeister der Region kooperationsbereit.
Unter dem Motto "Wir fördern Erfahrungsaustausch" hatte der Regionale Gewerbeverein (RGV) am 30. September die Bürgermeister der Kommunen Stahnsdorf, Teltow und Kleinmachnow in das NH-Hotel in Kleinmachnow eingeladen. Vor einem 40-köpfigen Publikum von geladenen Gewerbetreibenden gaben sie bereitwillig Auskunft über die wirtschaftspolitischen Entwicklungsmöglichkeiten der Region, aber auch über die Schwierigkeiten: Von Altstadtsanierung bis Verkehrssituation. Moderator Uwe Valentin, der für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit im RGV zuständig ist, gab den Bürgermeistern besonders viel Raum, um die Handels- und Gewerbestruktur ihrer Kommune vorzustellen. Dabei merkte der Moderator kritisch an: Die Teltower Oderstraße sei ein Einkaufszentrum ohne Flair, während der Einzelhandel in der Altstadt vernachlässigt werde. Dass die Kommune keine Gestaltungsmöglichkeit an der Oderstraße habe, weil sie dort keine Liegenschaften besitze, wie Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) dagegen argumentierte, wurde vom Publikum nicht ohne Widerspruch hingenommen. "Die Stadt muss auf die Grundstückseigentümer zugehen", forderte ein Zuhörer, "man kann die Probleme nicht einfach zurückstellen nur weil sie schwierig sind". Überhaupt gingen kritische Bemerkungen des Publikums hauptsächlich in Richtung Teltow. "Im Gegensatz zu Stahnsdorf und Kleinmachnow ist die Zusammenarbeit mit der Stadt Teltow schwierig", beschwerte sich ein anderer Zuhörer. Während Valentin für das "Wachküssen" der Altstadt plädierte, deren Potential er nicht ausreichend genutzt sah, verwies Schmidt dagegen auf die etwa 50 dort ansässigen Gewerbetreibenden, die gegen ein "Sterben der Altstadt" sprächen. Für die Zukunft gebe es keinen Investitionsspielraum, stellte der Teltower Bürgermeister in Aussicht. "Der Topf ist gedeckelt, die Mittel sehr begrenzt und wir wollen eine nicht verschuldete Kommune bleiben", so Schmidt. "Wir setzen auf den Mix", brachte der Kleinmachnower Bürgermeister Wolfgang Blasig die "ganz besondere Situation für Handel und Gewerbe" in seiner Kommune auf den Punkt. Die wenigen Großhandelsgeschäfte sollen als "Zieher für die Kleinen" dienen, ansonsten wisse die Gemeinde: "der Großhandel findet woanders statt", nämlich beispielsweise im Potsdamer Stern-Center. Auch das neu entstandene Gewerbezentrum werde nicht unbedingt Käuferströme aus Berlin anlocken, meinte Blasig, hätte aber, wie beispielsweise die Zentren am Uhlenhorst, Fuchsbau-Eck und Zehlendorfer Damm eine "gute Überlebenschance". Bürgermeister Blasig zeigte sich mit der Entwicklung des Kleinmachnower "Binnenmarktes" zufrieden. Etwa 50 bis 60 Prozent des Bedarfes der Kleinmachnower Bürger könnten durch die ansässige Wirtschaft gedeckt werden, der Rest gehe zwar nach Potsdam und Berlin, käme aber durch Fremdeinkäufe wieder zurück nach Kleinmachnow.
Die Gemeinde Stahnsdorf habe "in den letzten Jahren viele Klinken geputzt", um großflächigen Einzelhandel auf die reichlich vorhandenen Gewerbegebiete zu bekommen, sagte Bürgermeister Gerhard Enser (CDU), aber aufgrund der schlechten Wirtschaftslage könne man zur Zeit kaum mit solchen Investitionen rechnen. Stahnsdorf hat zwei unterschiedliche Angebote für Investoren und Unternehmen: "Im Green Park sind Hallen zu vermieten, auf dem Gewerbegebiet ist Land zu verkaufen", die aber für die weitere Entwicklung zusammen gesehen werden müssten.

Ob Ansiedlung von Investoren auf dem Gewerbegebiet in Stahnsdorf, Belebung der Altstadt in Teltow oder eine bessere Einkaufssituation für die Bürger in Kleinmachnow: Die Entwicklung von Handel und Gewerbe in der Region ist maßgeblich von einer einheitlichen Verkehrspolitik abhängig, die möglichst schnell umgesetzt werden muss. Im nächsten Jahr soll in Teltow mit dem Bau der so genannten Ostspange begonnen werden. Diese Umgehungsstraße wird dann von der Mahlower Straße in einem Bogen um den Stau geplagten Ruhlsdorfer Platz herum, über die Lichtenfelder Allee bis zur Zehlendorfer Straße führen. Die Nordspange, die bereits auf einem zwei Kilometer langen Teilstück der Oderstraße besteht, sollte dennoch mit Vorrang realisiert werden. Das würde Teltows Altstadtzentrum einschließlich der Potsdamer-Straße "erheblich entlasten" und mehr Chancen für die Ansiedlung von gewerblichen Einzelhandel schaffen, merkte Moderator Valentin an. Die Einhaltung des Zeitplans für den Straßenbau hängt eng mit dem Bau der S-Bahn zusammen. Bürgermeister Schmidt ist optimistisch: "Im Dezember 2004 soll die S-Bahn wieder nach Teltow fahren". Auch in Kleinmachnow ist man zuversichtlich, dass die Schleusenbrücke endlich wieder befahrbar wird. Bürgermeister Blasig zeigte sich zwar skeptisch gegenüber den Leistungen der ausführenden Baufirma, rechnet aber damit, dass die Brücke im Oktober 2004 fertiggestellt ist. In der Umsetzung eines gemeinsamen Verkehrsnutzungskonzeptes war man sich in der Vergangenheit nicht immer einig. Da habe es, ohne Absprache, "hier und da Straßensperrungen gegeben, räumte Blasig ein und forderte: "Es muss mehr Verlässlichkeit geben!".
Einig sind sich die drei Bürgermeister aber beim Thema "Mittelzentrum". Als Mittelzentrum ist der Status einer Region zu verstehen, in dem eine Vielzahl an Versorgungsaufgaben anfallen und geleistet werden. In der Region wird dann ein geballtes Angebot in den Bereichen Bildungswesen, Gesundheitsversorgung, Einzelhandel, Kultur und Freizeit vorgehalten, das bei den Planungsbehörden des Landes seine Anerkennung finden soll. Als "ein Gebot der Stunde" bezeichnete Schmidt die Bemühungen, die Region zentralörtlich zu gliedern.
Blasig sah die Kommunen bereits so zusammen gewachsen, "dass die wirtschaftlichen Strukturen schon längst bestehen und niemand mehr zu einer Einzelposition zurückkehren kann". Die Aufgabe sei nun, "dass man in der Politik, in den Verwaltungen und mit dem Verkehr darauf reagieren" müsse.
Ein engeres Zusammenwachsen mit den Kommunen strebt auch der Regionale Gewerbeverein an. "Der RGV will eine Lobby für die kleinen Händler sowie das regionale Handwerk und Gewerbe sein, die er in der Region nicht genügend vertreten sieht", stellte Valentin die Position fest und fragte nach Möglichkeiten zur Kooperation. "Die Tür ist offen", sagte Kleinmachnows Bürgermeister Blasig und bot kommunale Neuigkeiten als Veröffentlichung in der Publikation des Regionalen Gewerbevereins an. Ein erster Schritt in der Zusammenarbeit von Verein und Kommunen ist also getan. Die Bürgermeistergespräche sollen fortgesetzt werden.

Ks







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